Gastkolumne Nikolaos Maltezos: Gesetz über die außerehelichen Beziehungen (Ae-Gesetz)

 Nikolaos Maltezos 
Gesetz über die außerehelichen Beziehungen (Ae-Gesetz)

§ 1 Begriffsbestimmungen
(1) Wer widerrechtlich im Sinne dieses Gesetzes in eine gemäß § 1353 BGB gültige Ehe eindringt, ist Ehestörer.
(2) Dies gilt nicht, wenn beide Ehegatten gleichzeitig außereheliche Beziehungen zum gleichen Ehestörer unterhalten und diese nicht bloß gelegentlich sind.
(3) Die außereheliche Beziehung darf nicht nur gelegentlich erfolgen. Gelegentlich ist eine Beziehung mit dem Ehestörer, wenn diese auf einen einmaligen Geschlechtsakt beruht. Unterhält ein Ehegatte mehrere gelegentliche Beziehungen mit dem gleichen Ehestörer, so darf der Zeitraum zwischen den jeweiligen Geschlechtsakten die Jahresfrist nicht unterschreiten. Die Anzahl der gelegentlichen Beziehungen ist auf drei pro Kalenderjahr und Ehegatte begrenzt.
(4) Außerehelich ist die Beziehung, wenn sie ohne Zustimmung und Kenntnis des jeweils anderen Ehegatten erfolgt. Die nachträgliche Bekanntmachung an den Ehepartner bleibt ausgeschlossen.

§ 2 Umfang der Anzeigepflicht 
(1) Wer eine außereheliche Beziehung im Sinne dieses Gesetzes unterhält, ist zu dessen Anzeige gegenüber für die steuerliche Veranlagung der Ehegatten zuständigem Finanzamt verpflichtet.
(2) Die Anzeigepflicht entfällt im Falles des § 1 Abs. 2 dieses Gesetzes. Auf Verlangen haben die Ehegatten diejenigen Unterlagen an das für die steuerliche Veranlagung der Ehegatten zuständige Finanzamt herauszugeben, die die gleichzeitige Beziehung der Ehegatten zum Störer belegen. Die Dauer der Nachweispflicht auf Verlangen richtet sich nach den einschlägigen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches über die Verjährung. 
(3) Die Anzeigepflicht des ehebrüchigen Ehegatten entfällt, wenn der Ehegatte nicht ohne schuldhaftes Zögern die Scheidung beantragt (sog. Ehekarenzzeit)

§ 3 Folgen der außerehelichen Beziehung
(1) Unterhält ein Ehegatte eine nicht nur gelegentliche außereheliche Beziehung, so ist er bei Einreichung der Steuererklärung für das Jahr, in dem die außereheliche unterhielt, verpflichtet anzuzeigen.
(2) Durch die Anzeige entfällt die steuerliche Privilegierung für die Dauer der außerehelichen Beziehung. Beide Ehegatten werden so gestellt, als wäre die Ehe nicht geschlossen. 

§ 4 Unterlassen der Anzeige 
Versäumt der ehebrüchige Ehegatte die Anzeige, so begeht eine Steuerhinterziehung, die nach den einschlägigen Bestimmungen de Steuerstrafrechts geahndet wird. 

§ 5 Heilung der unterlassenen Anzeige
(1) Die Anzeige kann, wenn ein Steuerbescheid durch die zuständige Finanzbehörde bereits erlassen worden ist, nur innerhalb der gesetzlichen Widerspruchsfrist nachgeholt werden, wenn und soweit diese freiwillig erfolgt. Hierbei kommt es nicht an, dass der Steuerbescheid einem Änderungsvorbehalt unterliegt. 
(2) Für den Fall, dass die Ehegatten getrennt veranlagt werden, kann sich der ehebrüchige Ehegatte nicht darauf berufen, dass der ehetreue Ehegatte, die außereheliche Beziehung in seiner Steuererklärung angezeigt hat. 

§ 6 Nachehe 
(1) Wird die Ehe zeitnah und ohne schuldhaftes Zögern des ehetreuen Ehegatten geschieden, so kann der Ehestörer binnen Drei-Monats-Frist die umgehende Verehelichung mit dem eheuntreuen Ehegatten verlangen (echte erste Nachehe). Der ehebrüchige Ehegatte ist zur Eingehung der Ehe dann verpflichtet. 
(2) Unterhält ehebrüchige Ehegatte mehr als drei gelegentliche außereheliche Beziehungen, so kann jeder der Ehestörer die Verehelichung mit sich verlangen. Für den Fall, dass mehrere Ehestörer eine Verehelichung verlangen, kommt es auf den Zugang der Mitteilung beim ehebrüchigen Ehegatte an. Ein Anwartschaftsrecht auf die echte erste Nachehe ist ausgeschlossen. 
(3) Erklären sich der ehetreue Ehegatte und der Ehestörer bereit, so kann dieser in die ursprüngliche Ehe eintreten, ohne dass es einer erneuten Eheschließung bedarf. Der Ehestörer darf bis zu diesem Zeitpunkt nicht wegen eines Steuerstrafvergehens wirksam verurteilt worden sein. Dabei kommt es nicht darauf an, dass die Steuerstraftat nach den allgemeinen Vorschriften verjährt ist (sog. unechte Nachehe). 
(4) Wenn und soweit keine Nachehe geschlossen wird, kann der ehetreue Ehegatte vom in die Ehe eingedrungenen Störer Ersatz derjenigen Aufwendungen bekommen nach den Regeln der ungerechtfertigten Bereicherung. Dies gilt auch in den Fällen, in denen das eheliche Auseinanderleben widerleglich vermutet wird gegenüber dem eheuntreuen Ehegatten. 
(5) Der Ehestörer kann sich nicht auf den Fall des § 10 Abs. 3 berufen. 

§ 7 Mehrere Störer 
Existieren mehrere Störer, so gilt die zeitliche Abfolge, mit der sich der ehebrüchige Gatte auf sie eingelassen hat. 

§ 8 Eheliches Auseinanderleben 
(1) Ehebruch und eheliches Auseinanderleben schließen sich nicht aus. 
(2) Den Folgen des ehelichen Auseinanderlebens sind denen des Ehebruchs gleichgestellt. 
(3) Eheähnliche Beziehungen, soweit sie keine steuerliche Privilegierung genießen, fallen nicht in den Anwendungsbereich dieses Gesetzes 

§ 9 Grundlage 

(1) Das Bundesministerium für Finanzen wird ermächtigt einen Index über die Häufigkeit des geschlechtlichen Verkehrs unter Berücksichtigung des Altersunterschiedes der Ehepartner und Dauer der Ehe zu führen (sog. G-VIX). Der Index ist in regelmäßigen Abständen auf seine Gültigkeit zu überprüfen. Die Ergebnisse sind im Bundesanzeiger zu veröffentlichen. 
(2) Unterschreitet der zwischen den Ehepartnern festgestellte G-VIX (sog. spezifischer G-VIX) der den durch die Erhebungen des Bundesministeriums der Finanzen festgestellten G-VIX (sog. allgemeiner G-VIX) um 50%, so wird das eheliche Auseinanderleben widerleglich vermutet. Es bleibt dem Ehepaar unbenommen durch geeignete technische Hilfsmittel den Gegenbeweis zu führen. Beträgt der Unterschied zwischen beiden Werten 75% und mehr wird das eheliche Auseinanderleben unwiderleglich vermutet. 
(3) Unwiderleglich wird das eheliche Auseinanderleben ebenfalls vermutet, wenn zwischen den Ehegatten eine dauernde räumliche Trennung besteht. 
(4) Das Nähere regelt eine Rechtsverordnung. 

§10 Schadensersatz 
(1) Der ehebrüchige Ehegatte haftet gesamtschuldnerisch mit dem Ehestörer für den entstandenen Schaden gegenüber dem zuständigen Finanzamt. Existieren über der Veranlagungszeitraum mehrere Ehestörer, so haften diese ebenfalls mit dem ehebrüchigen Ehegatten gesamtschuldnerisch. 
(2) Ist der Ehestörer ebenfalls verheiratet, so haftet neben dem Ehestörer dessen Ehegatte gesamtschuldnerisch für die jeweilige Schuld des anderen.
(3) Im Falle des ehelichen Auseinanderlebens, heben sich die gegenseitigen Ansprüche der Ehepartner auf. 

§11 Inkrafttreten 

Dieses Gesetz tritt am Tag nach seiner Verkündung in Kraft.

Nikolaos Maltezos 

Gastkolumne Thomas Stiegler- Der Gedächtnispalast

 Thomas Stiegler
In unserer heutigen Zeit ist es schwer, sich mit Literatur zu beschäftigen. Abgelenkt durch eine Fülle an Reizen schaffen wir es kaum noch, zur Ruhe zu kommen und zu lesen. 

Aber ich habe gemerkt, dass in meinem Leben etwas verlorengegangen ist. Dass durch die Beschäftigung mit den modernen Medien ein wichtiger Teil von mir verstummt ist.


Deshalb habe ich mich vor einiger Zeit bewusst dazu entschlossen, mich wieder mit guten Büchern zu beschäftigen. 

Wobei ich vor allem den Gedanken liebe, wieder zu einem Leser zu werden. Mich mit Worten zu beschäftigen, die mich berühren. Die Träume aufbauen, von Gefühlen erzählen und dabei an mein Innerstes rühren.

Aber es ist so unglaublich schwer, denn die Vorstellung davon ist schöner als das Lesen selbst.

Der Gedanke an dunkle Herbsttage. Ich sitze in einem einsamen Zimmer, der Nebel steigt aus den Tälern und die ganze Welt schweigt. Ein alter Stuhl, vor mir eine Kanne Tee und überall sind Bücher. An den Wänden, in den Regalen, sogar am Boden liegen sie in umgefallenen Stapeln. Und ich lehne mich zurück und lese.

Doch obwohl das Lesen so schwer ist, merke ich, wie es mich wieder gefangen nimmt. Wie es meine Gedanken beansprucht und versucht, mir in die Seele zu greifen.

Ich bekomme Sehnsucht, den nächsten Schritt zu tun. Wieder ein Mensch zu werden, der abseits steht. Abseits des alltäglichen Hamsterrades, abseits von Nachrichten, Verwertbarkeit und der Jagd nach Erfolg und Unterhaltung.


Vielleicht sind auch hier ein paar Menschen, die Interesse daran haben, sich wieder intensiv mit Literatur zu beschäftigen und ihren Geist an ihr zu messen.

Und dazu würde ich euch gerne ein Spiel vorstellen, an das ich mich beim Sinnieren über ein paar Bücher erinnert habe. Für mich war es einmal mehr als das, aber um es zu erklären, muss ich ein wenig ausholen. Und anschließend möchte ich euch einladen, es auch einmal zu versuchen.

Kennt ihr den "Steppenwolf" von Hermann Hesse? Erinnert ihr euch an den Schluss der Erzählung, als der Protagonist im magischen Theater stand und sich zwischen den vielen Türen entscheiden musste?

Eine jede war ein Symbol für eine andere Geschichte. Begebenheiten aus seiner Jugend, Erlebnisse, die er sich wünschte, Möglichkeiten, die er hatte und nie ergriff. Und alle konnte er in der "Phantasie" erschaffen und noch einmal erleben.

Das, was H. Hesse hier beschrieb, praktizierten Gelehrte schon vor Jahrhunderten. Und es deckt sich mit dem, was Gehirnforscher heute in ihren Untersuchungen zeigen.

Für den menschlichen Geist sind Fantasien ebenso real wie wirkliche Erlebnisse. Wenn wir die Augen schließen und uns gedanklich in eine Situation begeben, sie intensiv mit allen Sinnen "durchleben", dann macht das für unser Gehirn und unseren Körper kaum einen Unterschied zur Realität.

Es gibt genügend Beispiele für diese Effekte und auch im Sport und in verschiedenen Therapieformen werden sie heute ausgiebig genutzt.

Wieso ich das alles erzähle? Nun, weil man diese Art des "magischen Theaters" auch benutzen kann, um mit den Werken unserer Kultur zu "spielen". Man kann es dazu verwenden, in die Kunstwerke einzutauchen und sie intensiv nachzuerleben.


Einen zweiten Versuch dieser Art beschrieb Hermann Hesse Jahre später im "Glasperlenspiel". Die Ordensmitglieder der "pädagogischen Provinz" Kastalien versuchen, die Werke unserer Kultur zu bewahren

Das hauptsächliche Werkzeug dafür ist das Glasperlenspiel, eine geistige Verbindung von Literatur, Musik und allen Arten von Wissenschaften, an die man sich mit Hilfe von Zeichen erinnert. Die man in sich auferstehen lässt, miteinander in Beziehung setzt und im Lauf des Spiels in sich „durchlebt“

Dieser Gedanke Hesses ist seit Jahrzehnten befruchtend für Menschen auf der ganzen Welt.


Bevor ich zu dem System komme, das ich für mich erfand, lasst uns noch einen kleinen Umweg beschreiten.

Vor langer Zeit wurde eine Methode erfunden, mit der man sich an verschiedene Dinge erinnern kann. Nicht nur an so einfache wie bestimmte Begriffe oder Jahreszahlen, sondern an alles in seinem Leben, das man bewahren will.

Die Technik nennt sich Gedächtnispalast und ist wahrscheinlich vielen dem Namen nach bekannt. Dabei wird in der Phantasie ein Palast erbaut, den man mit den Dingen füllt, die einem etwas bedeuten. In den Regalen, auf Statuen oder auf den Tischen liegen die Bücher oder einfach nur Notizen, an die man sich erinnern will.

Wenn man eine Erinnerung sucht, dann begibt man sich in seiner Vorstellung in den Palast, geht an den Ort, an dem man sie abgelegt hat und holt sie wieder hervor.


Und jetzt will ich endlich zu dem kommen, was ich früher für mich erfand. Eine Methode, um mich in andere Seinszustände zu versetzen, in andere Gedanken und Gefühle einzutauchen. Denn damit würde ich gerne wieder beginnen, und vielleicht habt ihr auch Interesse daran.

Und am besten starten wir mit H. Hesse. Stellt euch ein Zimmer vor und richtet es ein. Hängt ein paar Bilder an die Wand, vielleicht den „Regenmacher“ oder eines in dem Hesse Erde brennt. Verteilt Gegenstände, die ihr mit ihm verbindet und vor allem die Bücher, die ihr von ihm gelesen habt.

Jetzt nehmt euch etwas ungestörte Zeit, schließt die Augen und betretet das Zimmer.

Stellt euch vor, wie ihr hineingeht, die Bilder anseht, die Brise riecht, die durch das Fenster streicht und die Gardinen bauscht. Versucht zu fühlen, in euch hinein zu lauschen und alles aufzunehmen. Den Geruch, die Farben und die Emotionen, die sie in euch auslösen. Und dann nehmt eines seiner Bücher zur Hand. Versucht, euch nicht nur an die Geschichte zu erinnern, sondern sie nachzuerleben und eure Gefühle wieder auferstehen zu lassen.

Lasst ein Bild erstehen und seid mit allen Sinnen dabei. Probiert, euren Geist aufzuspalten. Seid in dem Zimmer, seid Leser des Buches und gleichzeitig eine Figur aus dem Buch. Erlebt die Erzählung. Versucht, für ein paar Minuten, in dem Raum und in dem Buch zu sein und in ihnen zu leben.


Ist das nicht wunderschön? Es ist vielleicht seltsam. Es klingt vielleicht albern oder gar lächerlich.

Aber, ist es nicht wunderschön?

Und das könnt ihr mit allem machen, was euch wichtig ist.

Ein Zimmer für Schubert, für Monet oder Rodin. Denn von Mal zu Mal wird es euch leichter fallen und ihr werdet mehr Genuss und Gewinn aus den Kunstwerken ziehen, als ihr euch heute vorstellen könnt. 

Gastkolumne Nikolas Maltezos: Über den indischen Straßenverkehr- Spezielle Eindrücke während meiner Indienreise im Oktober und November 2017

 Nikolas Maltezos 
Gespannt war ich auf den indischen Straßenverkehr und ich sollte nicht enttäuscht werden. Schnell reifte in mir die Erkenntnis, dass die ersten Chaostheorien durch Beobachtung dessen abgelichtet worden waren. Fahrbahnmarkierungen sind hier eher Empfehlung, die beim Aufkommen erhöhten Verkehrs, ihre Verbindlichkeit verlieren. So wird aus einer originär zweispurigen Straße bei entsprechenden Aufkommen schnell mal eine fünfspurige. So etwas wie Linksfahrgebot gibt es nicht. Überholen, Einfädeln, Abbiegen findet nach eigenem Gusto und nicht nach den Maßstab einer, wie auch immer gearteten, Straßenverkehrsordnung statt. 

Der Verkehr trägt soziadarwinistische Züge. Derjenige, der mit dem schnelleren Auto, potenteren Fahrer und der entsprechenden Kaltschnäuzigkeit ausgestattet ist, bewegt sich hier rascher und kann mitunter pro 100km eine Zeitersparnis von bis zu 30 Sekunden heraus schlagen. Das ist enorm. Für das ungeübte europäische Auge mutet der Verkehr unkoordiniert und willkürlich an. Ist er aber nicht. Selbst das Chaos kann ohne eine gewisse Ordnung nicht existieren. Zwischen den am Verkehr beteiligten gibt es ein ausgeprägtes und ausgeklügeltes Kommunikationssystem. 

Rechtmäßiges Überholen über links wird mit kurzem ca. eine Sekunde andauerndem Hupen angedeutet. Unrechtmäßiges Überholen über rechts mindestens doppelt so langes Hupen, je nach Eile des Fahrers bis zum Abschluss des Überholvorgangs. Durchzwängen zwischen zwei Autos muss mit zweimal drei Sekunden andauernden Hupen angekündigt werden. Hinzu kommt ein kurzer Hornstoß beim Passieren. Obligatorisch ist das Hupen auch zum Anzeigen des Abbiegevorgangs. Hierbei spielt es keine Rolle, ob man sich mutterseelenallein allein auf der Straße befindet. Vorfahrtsregeln sind gänzlich unbekannt. Weshalb böse Zungen behaupten, man könne in diesem Verkehr als Absolvent einer europäischen Fahrschule nicht zurechtkommen, ist mir noch immer schleierhaft

Verwunderlich (was schnell verfliegt) am indischen Straßenverkehr ist ebenfalls, dass an roten Ampeln nicht gehalten wird. Fahren in Gegenrichtung ist ebenfalls möglich. Zumindest auf Landstraßen und soweit man dies auf den Seitenstreifen beschränkt. Dieses Verhalten wurde auf Mautstraßen bzw Autobahnen nicht gesichtet. 

Inder sind sehr wohl fähig Fahrbahnmarkierungen zu beachten, soweit die Verkehrsdichte eine Anhäufung von sechs bis sieben Autos pro Kilometer nicht überschreitet. Insofern muss ich meine Meinung über den grundsätzlichen Drang, sich nicht an Regeln zu halten, revidieren. Es könnte aber auch sein, dass die hiesige Tourismusbehörde einige Komparsen auf die Autobahn geschickt hat.Die Nachforschungen diesbezüglich dauern noch an. Auffällig ist auch, dass die Gurtpflicht ernst genommen wird. Nicht angegurtete Fahrer sind sind sehr selten zu sehen. Richtungswechsel werden überwiegend gewissenhaft angezeigt. Ein kleiner Nachtrag zum Hupen. Neben seinem verkehrstechnischen Funktion scheint das Hupen auch eine psychologische Komponente zu haben. So in etwa nach dem Motto: "Hoppla, jetzt komm ich!"(Hans Albers) oder besser in meinen Augen "Ich bin Ich. Ich bin jetzt. Das allein ist meine Welt" (Rosenstolz). 

Daneben hat es natürlich auch eine Alibifunktion. Im Falle eines Zusammenstoßes, kann man sich noch immer damit herausreden, man hätte ja gehupt und so die Verantwortung auf den Unfallgegner abgewälzt, denn dieser habe die durch entsprechendes Hupen angezeigte Situation missachtet und so den Unfall provoziert. Ein ebenfalls kleiner Nachtrag zur Verkehrsdichte. Dass man sich bei einem solch hohem Verkehrsaufkommen, so als hätte sich ganz Delhi just in dem Moment entschieden auf die Straße zu gehen, so man selbst sich dazu aufgerafft hat, die Verkehrsdichte gefühlt ca eine Million Autos pro qm beträgt und einer Melange der Viskositätsklasse 5 entspricht, unwohl fühlt, liegt wohl eher an der eigenen Psychologie, die ich in nunmehr über vierzigjährigem Leben in Deutschland angeeignet habe. 

Deutsche Autofahrer achten peinlichst genau auf gebührenden Abstand. Statistiken zur Folge verlieren Deutsche lieber einen entfernten Verwandten, als dass ihr Auto einen Totalschaden erleidet. Wird der Sicherheitsabstand unterschritten oder kommt es gar (wenn auch nur leichten) Berührung, so kann die probate Antwort hierauf nur der Einsatz des SEK lieber noch der GSG9 sein, um den Drängler in seine Schranken zu weisen. Solches Verhalten ist am liebsten mit lebenslanger Freiheitsstrafe zu bestrafen, lieber noch die Todesstrafe einzuführen. Ebenso beim Parken. Deutsche würden am liebsten einen Minengürtel ums eigene Auto ziehen. Der gemeine Inder hat solche Berührungsängste nicht. Die Verkehrsdichte ist dermaßen hoch, dass die Toleranzschwelle hierzu doppelt exponentiell verringert hat. Das Auto ist und bleibt ein Fortbewegungsmittel. Aber erklärt das mal in Deutschland. Dass Auffahrten als Ausfahrten und umgekehrt genutzt werden, sei hier an Rande erwähnt und kann angesichts der bisherigen Ausführungen nicht wirklich verwundern.

Nikolas Maltezos:

Gastkolumen Arno von Rosen: Unser täglich Brot ...

 Brot
gib uns heute“, steht schon in der Bibel. Auch in anderen Glaubensbekenntnissen und Religionen ist Essen und dessen Darreichung ein entscheidendes Thema, aber es geht heute nicht um alte Schriften, sondern um hochmoderne Wissenschaft. Eines ist aber ganz sicher. Von Zusatzstoffen wie Chemikalien, Enzymen und Antibiotika in unserer Nahrung, hatten diese Zeitgenossen keine Ahnung. Also, was ist unser heutiges tägliches Essen und was ist da drin? Es geht mir in diesem Artikel weder um grundsätzliche Einstellungen zu Tieren (ob man diese essen sollte oder lieber nicht), pflanzlichen Produkten oder dergleichen mehr, sondern um das was ist und wo gefühlt die Mehrzahl der Menschen offensichtlich hin möchte.

Die Politik würde uns gerne weniger Fleisch essen lassen und Wissenschaftler unterstützen sie dabei. Klasse Idee! Immerhin hat der Deutsche seinen Fleischkonsum von 68kg auf 60kg zwischen 1975 und 2016 gesenkt. Das sind nur 164g pro Tag und die Nahrungsinstitute empfehlen nicht mehr als 200g Fleisch und Wurst am Tag zu essen. Sie haben den Fehler sicher schon entdeckt, denn es sind natürlich alle Deutschen in dieser Statistik vom Säugling bis zum Greis, also essen wir einfach zu viel Fleisch. Insgesamt 4,8 Millionen Tonnen und damit alle drei Monate ein Tier (hier hätte ich mir vom Bundesamt gewünscht etwas differenzierter darzulegen welches Tier die meinen, denn ein Schwein hat kaum nur 15kg Gewicht). Trotzdem wurden im Jahr 2016 über 8,2 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Wo ist das hin, wenn doch der Fleischkonsum der Verbraucher angeblich kaum noch zu bändigen ist?

 Abgeschaffter Lebensraum
Insgesamt werden alleine in Deutschland jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen (wir würden also erst am 4. Mai anfangen die produzierten Lebensmittel zu essen, der Rest landet im Müll), ob zu Hause, im Supermarkt, damit der Kunde immer einwandfreie Ware angeboten bekommt, wegen unsachgemäßer Lagerung oder weil es psychologisch besser ist, die Regale im Einkaufsladen immer gefüllt zu behalten und mal Hand aufs Herz. Wer greift bei vollen Regalen nicht nach hinten, um etwas mit längerem Haltbarkeitsdatum zu ergattern, obwohl es in einer Woche verbraucht ist, aber erst in Monaten abläuft? Eben, da ist viel Bauchgefühl dabei und unser Hirn bleibt weitestgehend abgeschaltet. Dieses gilt ebenso für die kleinen Schriften auf den Lebensmittelverpackungen, die wir entweder nicht mehr lesen können und wenn, keine Ahnung haben, was da drauf steht. Alleine Zucker hat fünf (oder mehr?) Begriffe. Ist das alles Zufall?

Nein! Das es keine Lebensmittelampel auf Produkten gibt, wo drauf steht wie viel Zucker, Fett oder Kohlenhydrate unserer täglichen Dosis drin sind ist natürlich von der Industrie gewollt und wird durch Lobbyisten durchgesetzt, welche Posten vergeben, Parteispenden zahlen und sogar Mitarbeiter der Ministerien finanzieren, die dann die Gesetzestexte schreiben, welche im Bundestag abgesegnet werden. So weit, so schlimm, aber es geht natürlich nicht linear weiter, sondern exponentiell. So werden Fleischprodukte, die wir Deutschen nicht mögen (Fleischteile wie z.B. Hähnchenflügel, Schweinsfüße, Innereien usw.) nach Afrika transportiert, natürlich mit Subventionen, sodass der Markt dort zusammenbricht, weil wir das Fleisch billiger verkaufen, als die Menschen vor Ort es selber produzieren könnten. Die Folgen kennen wir in Form von Wirtschaftszusammenbrüchen, Kriegen und Flucht. Sogar die Lufthansa bekommt jährlich rund 200.000 Euro Subventionen, weil sie ihr Essen erst außerhalb der EU Zone serviert und damit das Fleisch ausführt.

 Lieblingsteile
Wer übrigens geglaubt hat Bioware sei Unbedenklich und mit hoher Moral essbar irrt gewaltig. Die Biobedingungen sind trotzdem Massentierhaltung mit minimal mehr Platz und etwas mehr Pflege, doch trotzdem noch so schlecht, dass man nicht von artgerechter Haltung sprechen kann. Auch dort werden die Verordnungen zumeist geschickt ausgehebelt. So müssen Bio- Hühner freie Flächen haben, um den nötigen Auslauf zu gewähren. Da dies aber viel mehr Arbeit bedeutet um Eier einzusammeln, vor Krankheit zu schützen oder Hühner abends wieder in den Stall zu bringen, gibt es nur offene Freiflächen. Diese Nutzen Hühner nie, da diese Sträucher benötigen, um sich vor Greifvögeln sicher zu fühlen, ergo bleiben diese Tiere nur nahe beim Stall. Diese Art der Biohaltung und dessen Ausheblung ließe sich beliebig fortsetzen. So ist es natürlich ebenfalls beim Gemüseanbau, wo nur noch Erzeuger wie z.B. Demeter und wenige andere gute Standards setzen, die aber mit dem europäischen Biosiegel nicht viel gemeinsam haben, da dieses bereits vor Jahren in der Umsetzung stark abgeschwächt wurde, um uns möglichst viel Bio anbieten zu können. So muss sich der Verbraucher gewollt durch einen undurchdringlichen Wust an Gütesiegeln kämpfen ohne jemals wirklich zu wissen, was diese beinhalten.

Abgesehen davon, werden in der Lebensmittelbranche nur etwa 3 Prozent in Bioqualität erzeugt, von dem was der Markt insgesamt anbietet und ob Obst aus Übersee wirklich so Bio ist, wenn es mit Flugzeugen oder Schwerölschiffen zu uns gebracht wird, überlasse ich jedem selber. Unser Landwirtschaftsminister Christian Schmidt kam aus Paris und berichtete Stolz davon, dass Deutschland und sein Agrarmarkt vom Pariser Protokoll ausgeschlossen wurde und sich nun nicht an dessen Regeln halten müsse, aber alle haben nur über den Austritt von Trump geredet und ich kann seinen Schritt sogar teilweise nachvollziehen, da es nichts bringt dauernd Wasser zu predigen, aber Sekt zu verschütten, auch wenn seine Gründe sicher auch andere waren. Damit geht die Verseuchung des Deutschen Grundwassers ungebremst weiter, ohne angepasste und verschärfte Regeln, aber warum? Weil China inzwischen größter Importeur des deutschen Billigfleisches ist, der Subventionen sei dank. Wir müssten also nur die Hälfte aller Tiere halten, wenn wir alleine unseren verschwenderischen Bedarf decken wollten und da ist die Lebensmittelverschwendung noch nicht einmal einberechnet. So ist Umweltschutz und Tierwohl eine Farce.

 Massentierhaltung
Leider ist das immer noch nicht die schlimmste Causa in der Lebensmittelindustrie, abgesehen davon, dass Millionen Menschen weltweit Hungern, weil Grundnahrungsmittel seit Jahren an den weltweiten Börsen als Spekulationsobjekt gehandelt werden und alleine in Indien jedes Jahr mehr Getreide vergammelt, als es bräuchte, um den Welthunger abzuschaffen. Es liegt also nicht an den Kapazitäten, wir benötigen auch nicht mehr Ackerland, mehr Wasser, mehr Pestizide, sondern den Willen jeder Regierung der Welt, die Grundrechte jedes einzelnen Menschen zu achten und zu schützen, welche immer mit ausreichendem Essen einhergehen. Selbst hier hungern Menschen, betroffen von Altersarmut oder sozialen Abstieg durch alleinerziehende Elternteile. Ja, unsere Lebensmittel mögen auf den ersten Blick sehr preiswert sein, aber den wahren Preis bezahlen wir, wie beim Atomstrom, erst Jahrzehnte später mit der Zerstörung unserer Umwelt und unserer Gesundheit. So gibt inzwischen der oberste Hüter unserer Gesundheit, dass Robert Koch Institut, die letzten streng behüteten Antibiotika-Reserven heraus, die zurückbehalten werden, um doch noch eine Waffe gegen multiresistente Keime zu haben, für Menschen, bei denen normale Antibiotika nicht mehr wirken, da wir diese Desensibilisierung auch durch den Verzehr von Fleisch entwickelt haben. (Alleine in deutschen Krankenhäusern sterben pro Jahr zwischen 1000 und 4000 Patienten an multiresistenten Erregern und die Zahl steigt stetig).

 Pestizide
Das wäre im Prinzip auch in Ordnung, schließlich hat die Gesundheit des Menschen Priorität, doch die Wahrheit ist niederschmetternd, denn das Institut gibt diese letzte Bastion des Schutzes an die Massentierhalter aus, auf ausdrückliche politische Anweisung, damit der Produzentenmarkt auch weiterhin ungebremst florieren kann. Eine Stellungnahme hierzu lehnte das Institut ab, da es sich um zu großen politischen Sprengstoff handele. Die Folgen kann sich jeder selbst ausrechnen, wenn es keine Antibiotika mehr für Menschen gibt, die uns vor Erregern schützen, weil wir durch den Verzehr unserer Lebensmittel immun geworden sind. Wir sollten also nicht deshalb weniger Fleisch essen, weil wir unserer Gesundheit vielleicht direkt schaden, sondern wir sollten die Politik unter Druck setzen, nicht das Leben unserer Familien ohne Not auf den Roulettetisch der Konzerne und Lobbyisten zu werfen, mit dem sicheren Ergebnis immer auf der Verliererseite zu stehen. Schon jetzt kündigen viele Gemeinden mit Massentierhaltungsproblemen an, die Wasserpreise um etwa 25 Prozent anzuheben, da die Überdüngung des Grundwassers höhere Reinigungs- und Aufbereitungsarbeiten mit sich bringen, zu unserem Wohle natürlich.

 Obst aus aller Welt
Da sind es nur Randnotizen, dass jetzt eine Gruppe aus Wissenschaftlern vor dem Aussterben der Insekten gewarnt hat (darüber habe ich bereits im Frühjahr berichtet) und der Grund ist nicht schwer zu finden. Außer zu vielen Giftstoffen, welche in unserer Natur landen, fehlen einfach entsprechende natürliche Freiflächen, wie es sie zumindest früher in Ackerrandgebieten gab, doch die Politik verteilt Gelder dafür diese ebenfalls zu mähen und damit den Lebensraum weiter einzuschränken. Vieles ist also völlig unüberlegt selber fabriziert und würde nicht einmal Aufwand bedeuten es zu korrigieren, aber welcher landwirtschaftliche Betrieb verzichtet schon freiwillig auf Gelder? Was unsere Regierung bei der Massentierhaltung übrigens gerne verschweigt sind die Subventionen aus Brüssel, welche nur an größere Betriebe ausgezahlt werden, was zu einer Explosion solcher Tierquälerproduktionsstätten geführt hat und damit auch den Untergang des normalen Landwirtes besiegelte, denn den Bauern, welcher seinen Tieren noch Namen gibt und diese liebevoll streichelt, gibt es fast nur noch im Märchen.

Mein heutiges Zitat stammt von Robert Koch (1843-1910) deutscher Bakteriologe, Nobelpreis für Medizin 1905.

"Wenn der Arzt hinter dem Sarg seines Patienten geht, so folgt manchmal die Ursache der Wirkung." (Setzen Sie für den Arzt einfach jede Regierung ein)

 Arno von Rosen
Es grüßt Sie Ihr mit eiskalten Schauern überzogener Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Hinterdiekulissengucker. Nach der Recherche von diesem Thema hätte ich nicht so viel essen können, wie ich kotzen wollte, aber ich bin überzeugt davon, dass wir als Gemeinschaft nur miteinander und nicht gegeneinander etwas verändern können und so umarme ich jeden, egal was dieser Mensch isst, wenn er gewillt ist dieses System zu verändern, während die Medien seit 4 Wochen nur Wasserstandsmeldungen über die Farben der zukünftigen Regierung abgeben.

Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen



Gastkolumne Arno von Rosen: Der fette Augenblick

 Erdölindustrie
Zuerst müssen wir mal ein paar Zeiten festhalten, ohne die kein wirkliches Verständnis für uns Menschen möglich ist. Wir kennen solche Begriffe wie, Kreide-, Jura-, Trias- oder Permzeit (wer sich noch an seine Schulzeit erinnern kann). Dies sind nur Bezeichnungen für Systeme, eine kleine Unterteilung für die tatsächlichen Zeitalter, die hunderte von Millionen Jahren gedauert haben. Derzeit leben wir im Hadaikum, welches seit 600 Millionen Jahren anhält und sicher auch noch so lange besteht, wie es uns Menschen auf der Erde gibt. Danach sind die Einteilungen natürlich überflüssig. Wir selber kennen uns besser mit Bronze- und Eisenzeit aus. Tatsächlich gibt es jetzt erste Vorstösse ein neues Zeitalter auszuschreiben. Das Anthropozän = Zeitalter des Menschen. Warum? Nie hat der Mensch mehr den Planeten verändert als derzeit und zudem ist Eisen/ Stahl auf dem absteigenden Ast, was unsere verwendeten Materialien betrifft, denn wir lieben und leben im Kunstoffzeitalter. Damit meine ich nicht Plastiktüten, die unsere Weltmeere zu Müllhalden gemacht haben und unsere Meeresböden mit Teppichen übersäen, sondern den normalen Alltag von Verpackungen, bis hin zur Bekleidung aus Einwegflaschen. Nehmen wir den Kunststoff aus unserem Leben, stehen wir buchstäblich fast nackt da.

 Grüne Spur
Nun gibt es rund um das Thema Erdöl und anderer fossiler Bodenschätze unterschiedliche Meinungen, wie lange diese Vorräte halten. BP, zum Beispiel, sagt voraus, dass selbst im Jahre 2050 Erdöl in großen Mengen vorhanden sein wird (Quelle: Welt und Süddeutsche) und das kann sogar stimmen, obwohl renommierte Zeitungen so ihre Zweifel, ob der Uneigennützigkeit diese Mitteilung haben, aber die Technologie schreitet rasant voran, sodass die Erdölförderung, die in den USA ab den 1970ern zurück ging, seit 2009 wieder um über 60 Prozent gestiegen ist. Es lässt sich nur vermuten wie lange wir über all diese Ressourcen verfügen, aber sagen wir einfach mal 200 Jahre, okay? Wäre doch noch ganz schön lange und keiner müsste auf sein heißgeliebtes Auto oder die wunderbaren Flugreisen verzichten, nicht wahr? Also wir auf jeden Fall nicht, denn in etwa 25 Jahren stecke ich in einer Urne und was jucken mich dann noch Bodenschätze! Dann kann der Meeresspiegel ruhig ansteigen (dies ist übrigens auch nur eine Teilwahrheit, denn viele Inseln versinken im Meer, weil der Bausand auf der Welt knapp wird und jetzt schon am Meeresgrund abgeschöpft werden muss, um all die wahnwitzigen Wolkenkratzer zu bauen). der Planet darf sich erwärmen und die Tiere dürfen ungeniert den Planeten voll furzen.

 Konsumtempel
Leider funktioniert unser Ökosystem so nicht, denn es hat weder lineare Entwicklungen, noch bemerkt es schnell unsere Bemühungen, denn Öl, Kohle & Co. haben mehr als 100 Millionen Jahre benötigt, um zu unseren Rohstoffen zu werden (in dieser Zeit sind umweltbelastende Stoffe darin gebunden worden und haben Leben im großen Stil erst möglich gemacht) und wenn man bedenkt, dass die Industrialisierung erst um 1750 in England begonnen hat und in riesigen Erdteilen wie Asien und Südamerika erst um 1950, kann man das Ausmaß unseres Verhaltens langsam begreifen. Seit dem 16. Jahrhundert haben wir fast die Hälfte des weltweiten Waldes von 6,2 Milliarden Quadratkilometern auf etwa 3,5 Milliarden abgeholzt und jährlich verschwinden weitere 130.000 Quadratkilometer (mehr als Österreich und Schweiz zusammen). Zunächst für den Schiffsbau, Häuser oder als Brennholz und später Papier, Möbel und vieles mehr. Die reichsten Familien der USA wie, Vanderbils & Co. begründen ihren Reichtum auf Holzverarbeitung. So verwundert es nicht, dass in den USA 70 Prozent des einstiegen Waldes gerodet wurde und viele Gegenden zu Wüsten werden oder heillose Überschwemungen ganze Landstriche heimsuchen. 

 Waldrodung
Irland ist bekannt als die grüne Insel und dies ist sie schon sehr lange. Zwar standen dort früher überwiegend Bäume und heute nur noch Weideflächen für die Viehhaltung, damit wir subventioniertes Fleisch und Butter von da beziehen dürfen, aber dieses Grün verschwindet spätestens, wenn der Golfstrom abbricht oder sich stark verlangsamt, denn er bestimmt unser mildes Klima in Europa und sorgt für den Austausch von Nährstoffen für den Fischreichtum (leider nicht mehr so reich, durch grenzenlose Überfischung), denn sonst hätten wir mindestens 6 Monate tiefsten Winter pro Jahr. Um den ganzen Planeten zirkulieren Meeresströmungen, die nicht nur von Meerestieren für ihre Wanderungen benutzt werden, sondern bereits von Entdeckern per Schiff genutzt wurden, um neue Länder und Handelsrouten zu erschließen. Sie merken schon, es geht im großen und ganzen um Geld und den gegenseitigen Verkauf von Gütern über Länder und Ozeane hinweg. Die Globalisierung begann also schon mit den alten Phöniziern und ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, wie uns Politiker gerne weiss machen wollen.

 Weltweit abschmelzende Gletscher
Wie können Sie oder ich persönlich unsere Erde schützen und wieder in den Urzustand zurück versetzen, zumindest ansatzweise? Gar nicht, leider. Ich schreibe es nicht so drastisch, um Effekthascherei zu betreiben, sondern weil unsere Natur so nicht funktioniert. Ein Ökosystem, welches in knapp 300 Jahren Ressourcen aus etwa 50 Millionen Jahren verbraucht (sehr wohlwollende Angabe), kann nicht in 20, 50 oder 100 Jahren wieder repariert werden. Nicht nur, weil die schädlichen Stoffe in der Atmosphäre sich nicht abbauen (von selbst oder künstlich) oder weil wir genauso viel Dreck in die Umwelt pusten wie immer, sondern weil die Eingriffe in unsere Natur unumkehrbar sind. Tiere und Pflanzen, welche täglich aussterben und dies mit einer dreimal höheren Rate als jemals zuvor, fehlen, um ein Gleichgewicht zu erhalten. So entstehen Wüsten, Missernten (sehen wir bereits bei uns selbst), Wetterkatastrophen, Hungersnöte, verseuchte Meere und Ländereien oder Luft, die uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem nimmt. Dabei rede ich noch nicht einmal von den normalen Zyklen unseres blauen Schmuckstückes wie, Erd- oder Seebeben, Meteoriteneinschläge und eigene Klimaverschiebungen, die selbstverständlich auf unserem noch sehr aktiven Planeten zu seinem Alltag gehören, denn wir sind nur ein Blinzeln im Auge der Zeit, welche eine ungeheure Vielfalt und Entwicklungsmöglichkeit für uns geboten hat. Wir haben also ein Ungleichgewicht und dieses kippt nicht langsam, wie Sie jetzt eventuell denken könnten, sondern es bricht ab. Wir sollten also spätestens vorgestern damit beginnen unsere Pflanzen so zu verändern, dass diese sich selbst bestäuben, sonst bleiben die Regale in den Supermärkten irgendwann in naher Zukunft ziemlich leer.

 Arno von Rosen
Sie sollten sich aber nicht grämen oder gar in Panik verfallen, denn Sie gehören zu den privilegierten Lebewesen, welche diese reiche Zeit wie ein Füllhorn über sich ausgeschüttet sahen. Obst, woher Sie wollen, Fahrzeuge für jedes Familienmitglied, Reisen wohin uns der Sinn steht, immer die neueste Technik, mehr Freizeit, größtes Angebot jemals an Aktivitäten und so lange leben, wie keine Generation zuvor. Dies alles wird solange von Wirtschaft und Politik aufrecht erhalten, wie überhaupt möglich, denn der Mensch ist nur einigermaßen friedlich, wenn er beschäftigt wird/ ist oder abgelenkt, so wie derzeit. Das ist überhaupt kein Vorwurf an irgendjemand unter Ihnen, denn ich bin genauso verschwenderisch wie jeder andere in Industrieländern. Meine Lebensmittel stammen nicht von um die Ecke (das meiste Bio ist sowieso ein Schwindel), ich sitze an einem modernen PC, sehe auf einer riesigen Glotze fern, da spielt der Sender fast keine Rolle mehr und die Welt sehen möchte ich ebenfalls. Nur meine Flugangst hält mich von mehr Zerstörung ab. Was machen da schon weggelassene Plastiktüten aus, nur ein Fahrzeug in der Familie, bisschen Bio, laufen wenn es geht, Klamotten aus nachwachsenden Rohstoffen? Nix, ganz ehrlich. Selbst, wenn wir in Europa ab morgen alle umschwenken (Utopia lässt grüßen), wird es die nächsten 150 Jahre erst einmal viel schlimmer, bevor wir Stillstand erreichen und da haben wir die eigene Pläne des Planeten nicht berücksichtigt. Die Zerstörung einer ganzen Region oder Großstadt auf der Welt, durch eine Naturkatastrophe stürzt unsere Gesellschaft in eine nie gekannte Gewaltspirale, denn Wirtschaftsverlust bedeutet Arbeitsplatzverlust, bedeutet Armut, Hunger, sozialer Abstieg, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt bis hin zum Krieg. Das dieses keine Spinnerei ist, sehen wir an nicht mal 1 Million Flüchtlinge, die uns rechte Parteien bescheren und ein nicht gekanntes Maß an Fremdenhass, bei allen negativen Begleiterscheinungen, die eine solche Situation mit sich bringt. Wir sind nur scheinzivilisiert und jeder Urinstinkt in uns wird nach dem eigenen Überleben schreien, ob wir dies wahrhaben wollen oder nicht.

Mein heutiges Zitat stammt von Oscar Wilde (1854-1900, Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde) Irischer Schriftsteller. "Der Mensch ist vielerlei, aber vernünftig ist er nicht." 

Es grüßt Sie Ihr überflüssiger Arno von Rosen, bloggt zu viel, schreibt zu viel, kocht zu viel und fotografiert zu viel. Zum Glück denke ich auch zu viel, sonst wäre mein Leben für die Erde nur erbärmlich. Bleiben Sie tapfer, fröhlich, geduldig und wenn Ihnen der Sinn danach steht, tun Sie unserem Planeten etwas Gutes.


Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen



Gastkolumne Arno von Rosen: Ein Tag mit Marcia Zuckermann

 Marica Zuckermann
Ohne soziale Medien wären wir uns wohl nie begegnet und schon alleine wegen solcher Gelegenheiten finden wir beide diese Plattformen gut. Es kommt eben immer darauf an, was man/ frau aus einer solchen Sache macht und Marcia ist ein sehr interessierter und ein noch interessanterer Mensch. Deshalb habe ich überhaupt nicht uneigennützig daran mitgewirkt, sie nach Marburg für eine Lesung ihres Buches "Mischpoke" (Jüdisch für bucklige Verwandtschaft) zu locken. Von der Ankunft am Bahnhof, bis zur Abfahrt in ihr geliebtes Berlin, bin ich ihr, bis auf die Nachtruhe, nicht von der Seite gewichen und habe dabei einen außergewöhnlichen Menschen kennen gelernt.

 In den Einträgen bei Wikipedia oder Google kann man nachlesen, wie die Gründerin des Berliner "ZITTY" Magazines (existiert heute noch) ihre Lehrjahre in New York, Paris, London und Barcelona verbrachte. Mir erscheint es eher so, als hätte Marcia Zuckermanns Neugierde und Furchtlosigkeit sie in die Welt hinaus getrieben und keine mögliche Lehrzeit. Bei jedem Gespräch mit ihr blickt man in dunkle funkelnde Augen, die hinter der Stirn ihres Gegenübers nach Wahrheit, Aufrichtigkeit und Inhalt suchen. Nie so, dass ihr Gesprächspartner das Gefühl des ausgeliefert seins verspüren könnte, denn sie ist höflich, aber resolut, bescheiden, aber sie weiß was sie will, bodenständig und doch ein wenig eitel (als ich ihr die Photografien unserer zwei Tage zeigte und sie mir ihre Schokoladenseite erklärte) und doch bleibt man besser man selbst, denn eine Rolle würde sie sofort entlarven. Sicher eine Eigenschaft, die ein selbstständiges Lebens zwangsläufig mit sich bringt, vorausgesetzt man bringt den nötigen Intellekt dafür auf. Marcia als rüstig zu bezeichnen, wird der Sache nicht annähernd gerecht, schließlich ist es schwer, ihr bei der Führung durch Marburg zu folgen und gleichzeitig alle Fragen zu beantworten, egal welches Geburtsdatum im Netz nun das richtige ist (anm. d. Red. "Ich weiß es").

Die Vorbereitung ihrer Lesung überlässt sie niemandem und ist an jedem Detail interessiert und prüft alles, vom Licht, bis hin zur Technik. Keine Frage, diese Frau hat einen Plan fürs Leben, egal in welchem Land sie sich befindet oder welche Menschen sie auch trifft. Ich persönlich mag es abgecheckt zu werden und Taten sind mir immer lieber, als darüber zu reden, weshalb die Vorbereitung für diese Lesung zwar 10 Monate gedauert hat, aber nur 5 Nachrichten und kein Telefonat benötigt hat. Effizient eben, so wie Marcia Zuckermann es mag, ohne große Schnörkel. Dabei hat sie einen guten Humor, bei dem der politisch korrekte Normalbürger die Ohren anlegen würde, nicht Etepetete, sondern gerade heraus, so wie sie selbst.

Da die Lesung in einem berühmten alten Café in der Marburger Oberstadt stattfand, wurde mir versichert, dass die Geräuschkulisse doch erheblich sein werde und die Autorin versicherte mir ihrerseits, damit leicht und schnell fertig zu werden. Nun, bis auf ein unvorsichtig lautes Grüppchen von Sonntagsausflüglern, die lärmend den falschen Bereich des Cafés entern wollten und die sie mit einem halben Satz sofort zur Umkehr bewegte, konnte man während der kompletten Lesung eine Stecknadel fallen hören, falls sich diesen Fauxpas jemand getraut hätte. Natürlich sollte man einer Vorleserin Respekt entgegen bringen, schließlich ist ja jeder Anwesende genau deswegen gekommen, aber mir erschloss sich ein gänzlich anderes Bild.

Marcia Zuckermann hat während dieser guten Stunde eine Aura erschaffen, als ob es das leichteste der Welt wäre, von einer kleinen, quirligen Frau zu einer Lesegöttin zu mutieren und doch wirkte es spielerisch. Was vorher nur hinter den klugen Augen verborgen blieb, warf jetzt erbarmungslos sein Netz aus und selbst der Journalist der oberhessischen Presse, ein sehr junger Mann, folgte der Lesung mit stummer Begeisterung und blieb auch nach dem kurzen Interview noch eine Weile, obwohl es Sonntag war und der Artikel am Montag erscheinen sollte. Die Lesung hatte mehr den Charakter eines Theaterstückes als Kammerspiel und ihre Stimme brachte im Berlinerisch der Jahrhundertwende (1900) die Geschehnisse ihrer Familie so nahe, als ob man diese durch einen Türspalt vom Nebenraum aus betrachten könnte. Untermalt mit Musik und ein paar Liedern, welche dramaturgisch zwischen die Kapitel gesetzt wurden, verging die Zeit wie ein Nebel an einem Sommermorgen.

Die Zuhörer waren so beeindruckt, dass sie kaum eine Frage heraus brachten, aber auch dort trat wieder der Humor der Autorin zu Tage, die kurzerhand selber die nicht gestellten Fragen beantwortete, sehr zum Gefallen des Publikums, welches dann natürlich seine Einzelgespräche und Widmungen bekam ohne den geringsten Zeitdruck. Ich habe Marcia später noch versucht einzureden ein Hörbuch unbedingt selber einzulesen, aber sie winkte nur ab und behauptete, dass dieses ja dann vier Tage dauern würde, bei so vielen Stimmbandpausen. So appelliere ich an die zukünftigen Verleger und Macher rund um diese außergewöhnliche Autorin, denn diese Zeit wäre, kaufmännisch betrachtet, ein goldenes Investment. Jene unter Ihnen, die Lesungen abhalten, organisieren oder sich dafür interessieren, kann ich nur raten, sich Frau Zuckermann für ein solches Event zu angeln, bevor es zeitlich nicht mehr möglich ist.

Mein Zitat von heute stammt von Marcia Zuckermann (absolut alterslos und Sternzeichen Stier) Journalistin, Autorin, Weltenbürgerin und Philanthropin. - 

 "Ick les nich nur vor, det is mir zu langweilig, die Leute wolln doch eine Show!"

Es grüßt Sie Ihr zuhöriger Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Vorleserinnenbegleiter. Mein Rat für die nächsten Jahre. Treffen Sie mehr interessante Menschen und lassen Sie sich mal ordentlich vorlesen, denn das Leben ist zu kurz, um auf die schönen Dinge des Lebens zu verzichten.

Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen