Seelische Gesundheit als Firewall priorisieren- Gastkolumne von Christiane Gorius, 20.01.21


Christiane Gorius
(Foto: aus ihrem Bestand)

Impfen ist wichtig und bringt Erleichterung in die mentale Befindlichkeit vieler Menschen. Ein Hoffnungsmarker, für den wir den ForscherInnen dankbar sind und all jenen, die sich aktuell in den vielen Impfzentren für unsere Gesellschaft tatkräftig engagieren. Doch fordert die berechtigte Furcht vor neuen Corona-Mutationen die Verlängerung des Shutdowns und zugleich die Erweiterung der eigenen Frustrationsgrenze. Haben wir Einfluss auf den Frust, den wir erleben? Kommt der Mist nicht von außen? Ja, das tut er, denn die Kontaktaskese geht weiter und unsere äußeren Spielräume müssen notgedrungen eingeschränkt werden. Früher nannte man das "Opfer bringen".
 
Ich gebe zu, dass ich es gehasst habe, wenn meine Mutter dieses Wort in den Mund nahm, wenn ich als Kind nicht alles bekommen habe, was ich gerade wollte. Sie lehrte mich temporär auf gewisse Dinge zu verzichten, um später Dinge zu bekommen, die größeren Wert haben als eine direkte Bedürfnisbefriedigung. Sie erklärte mir, dass es Sinn hat, zuerst Hausaufgaben zu machen und dann erst spielen zu gehen. Auf diese Weise half sie mir, die eigene Frustrationstoleranz zu erweitern. Mir wurde klar, dass das Spielen mehr Spaß machte, wenn die Hausaufgaben bereits im Kasten waren. Ich fühlte mich dann gelöster und unbeschwerter. Das Aushalten einer nicht immer angenehmen Situation im Hinblick auf die Verbesserung der Gesamtlage, nennt man Selbstdisziplin. Aus ihr entwickeln sich Selbstverantwortung und selbständige Gestaltungskompetenz. Aktuell müssen wir auf einiges verzichten? Natürlich nervt das!

Gleichzeitig erfahren wir durch diesen Umstand, dass wir normalerweise ziemlich vielseitig agieren dürfen. Wir sind Wohlstandskids und dachten, es ginge immer so weiter. Corona und seine Mutationen weisen darauf hin, dass wir erwachsen sind und somit für alles Verantwortung tragen, was wir täglich tun. 

Autsch! Das ist nicht unbedingt frustrierend, sondern stuppst uns in eine neue Richtung. Wir haben ziemlich viele Möglichkeiten, um gut zu leben. Basis für ein gelingendes Leben ist die mentale, seelische und körperliche Balance. Um diese innere Mitte zupflegen, können wir uns eigene kreative Strukturen schaffen, die uns dabei unterstützen, dass wir täglich im grünen Bereich des gesunden Lebens sind. So bleiben Körper, Seele und Geist im Einklang.

Wer jetzt beispielsweise zu wenig zu tun hat, kann spazieren gehen, Gymnastik machen (auf YouTube gibt es tolle Videos), meditieren, lesen, Musik machen und hören, Filme ansehen, sich weiterbilden, mit Freunden telefonieren, die Wohnung verschönern, Tagebuch oder Gedichte schreiben, einem Kranken Genesungswünsche vermitteln, backen, kochen, nähen, spielen oder einfach nur auf seinen inneren Ruf hören. Wir alle bleiben besser in unserer eigenen gesunden Kraft, wenn wir Dinge tun, die uns innerlich lebendig halten und darüber hinaus eine Bereicherung für unsere Um- und Mitwelt sind. 

Die Beschäftigung mit konstruktiven Tätigkeiten bringt uns in einen seelischen Zustand, den man Flow nennt. In ihm vergisst man die Zeit und lebt ganz im Hier und Jetzt. Er öffnet uns auf spielerische Weise persönliche Freiräume, die unser Selbstvertrauen, unseren Mut und unsere Selbstliebe stärken. All das brauchen wir als selbst gebaute Firewall gegenüberschüssige Ängste und den Sog negativer Stimmungen, die momentan von außen all zu leicht auf unser Gemüt treten und uns aus der inneren Mitte schleudern. 

"Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen." Stephen Hawking 

Text und Foto:  Christiane Gorius

Die Germanistin und Sozialpsychologin #Christiane_Gorius ist seit 1995 selbständig tätig als Dozentin für Persönlichkeitsentwicklung (Rhetorik, Theater, Pilates, Entspannungsverfahren). Nebenbei schreibt sie Bücher und fotografiert gern. 

www.chrigorius.de 

 Ihr aktuelles Buch "Willkommen im Atelier des Wandels“ ist unter anderem erhältlich bei: https://www.amazon.de/dp/B08L71J97Y?tag=webde-mrb-c- 21&linkCode=osi&th=1&psc=1&ascsubtag=mrb_c_christiane%20/www.amazon.de/dp/B08L71J97Y?tag=webde-mrb-c-21&linkCode=osi&th=1&psc=1&ascsubtag=mrb_c_christiane%20Gorius%20bei%20amazonGorius%20bei%20amazonhttps://www.buecher.de/shop/gesunde-ernaehrung/willkommen-im-atelier-des-wandels-ebook-epub/gorius-christiane/products_products/detail/prod_id/59934847/.

„Der Pandemie trotzen und kreativ bleiben!“ Gastkolumne von Christiane Gorius, 18.01.2021

Ein Blick in die Medien konfrontiert mit Impfnadeln, RKI-Zahlen, Bestattungsinstituten und Lockdown-Diskussionen. Hinzukommen News aus den USA, die das Stimmungsbarometerweiter nach unten sacken lassen. Sensiblen Zeitgenossen kratzt das an den Nerven. Wen wundert´s, dass die PsychotherapeutInnen gut zu tun haben, denn die Kneipe um die Ecke ist dicht und ihr Wirt muss sich ans Jobcenter wenden. Ähnlich geht es vielen KünstlerInnen und anderen Solo-Selbständigen, die das Däumchendrehen keineswegs genießen, denn in ihnen nagt die Frage, wann und wie es irgendwann für sie beruflich weitergeht. 

Zwar können gestandene FreiberuferInnen kreativ mit Sauregurkenzeiten jonglieren und entwickeln nicht selten ihre Motivationskicks aus wirtschaftlichen Flauten. Jedoch taugen diese Erfahrungspfründe nicht in der aktuellen Situation. Not macht erfinderisch? Das klingt in den Ohren vieler Kreativer im Moment eher zynisch. Gut, clevere Leute können die Pause nutzen, um sich weiterzubilden und all das zu machen, wozu sie nie richtig Zeit hatten. Das tun auch viele. Die Gefahr besteht jedoch, dass einigen von ihnen die seelische Puste ausgeht. Denn Kreativität ist leichter, wenn finanzielle Spielräume und sozial-emotionale Freiräume da sind. 

Gerade diese Raumprobleme und sozialen Kontakteinschränkungen können dazu führen, dass Menschen zu depressiven Stimmungen neigen. Sie werden verstärkt, wenn sie keine künstlerischen Ventile haben, um im inneren Gleichgewicht zu bleiben. Na ja, die MusikerInnen könnten daheim im Wohnzimmer musizieren, die MalerInnen könnten zeichnen und die SchriftstellerInnen könnten weiterschreiben. Sicher tun sie es, da der Künstler in erster Linie sein Metier für sich selbst ausführt und Kreativität schließlich immer guttut. Trotzdem fehlt was. Klar. Das lebendige Publikum, das eben mehr als digital ist!

So schnell kommen wir aus diesem Dilemma nicht raus, denn die neusten Corona-Mutanten zwingen weiterhin in die Sozialkontakt-Askese. Statt "Mutanten" brauchen wir lebendige "Mut-Tanten", die uns die Pandemie-Situation emotional und sozial erträglicher machen. Beide Phänomene sind unsichtbar und risikofreudig. Während es die "Mutanten" auf unsere körperliche und seelische Gesundheit abgesehen haben, wollen uns die "Mut-Tanten" zurück zu unserer inneren Mitte und Kraft führen. Doch wie locken wir diese liebenswerten Verwandten in unseren Alltag? 

Indem wir konstruktiv und kreativ miteinander umgehen, auch in den sozialen Medien. Auch wenn´s schwer fällt. Wir können nicht einfach rausgehen und Party machen. Wir können nicht das Bad in der Menge suchen, keinen Gemeinschaftssport treiben oder reale Feste feiern. Viele müssen sich beschränken auf das persönliche Telefonat, die Mail, den Chat, das Skypen, die Videokonferenz, den Podcast, den Spielfilm, das Buch, das Musikinstrument oder das Tagebuch - also das eigene kreative Potenzial. Der Trost der "Mut-Tanten" ist, dass sie sich ähnlich verbreiten wie das Corona-Virus. Aber nur, wenn wir selbst Mut für sie aufbringen, können sie inspiriert werden und in unser Leben schlüpfen. Sie sind die kreativen Vorboten einer neuen Gesellschaft, die auf #Resilienz, #Besonnenheit und #Empathie setzt.

Text: Christiane Gorius
Foto: Christiane Gorius privat

"Deine Kreativität kannst Du nie aufbrauchen. Je mehr Du sie benutzt, desto kreativer bist Du.“ Maya Angelou 

#Maya_Angelou (1928-2014) war eine US-amerikanische Autorin, Professorin und eine der wichtigsten Personen der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Die Germanistin und Sozialpsychologin #Christiane_Gorius ist seit 1995 selbständig tätig als Dozentin für Persönlichkeitsentwicklung (Rhetorik, Theater, Pilates, Entspannungsverfahren). Nebenbei schreibt sie Bücher und fotografiert gern.


Ihr aktuelles Buch "Willkommen im Atelier des Wandels“ ist unter anderem erhältlich bei: 

Essay- Raimund Schöll: Kontingenz und Selbstgefühl in Krisenzeiten

 Raimund Schöll
Neuerdings sitzen wir ja viel zu Hause statt im Büro, in der S-Bahn oder im Auto, begegnen uns über Videokonferenzen oder Telefon, dürfen nur noch zum Sport oder zum Einkaufen oder für einen Arztbesuch hinaus. Nahen physischen Kontakt haben wir nur noch zu den Allernächsten oder wir sind ganz allein. Und seit kurzem setzen wir uns sogar Masken auf, um uns gegenseitig nicht mit unseren Mundflüssigkeiten zu gefährden. So weit ist es also gekommen: Innerhalb kürzester Zeit sind wir in einen anderen Film geraten, in einen, dessen Ausgang wir nicht kennen.

Wir sind unsicherer geworden, haben Angst, ärgern uns, haben Zweifel, sorgen uns um uns und Andere, fürchten den Weltuntergang, hegen andererseits aber auch Hoffnungen auf Besserung, sehen sogar einen möglichen Weg in eine neue, positivere Phase, in die die Weltgesellschaft eintreten könnte.

Um uns zu beruhigen versorgt man uns mit Zahlen, Tabellen und Schaubildern, die Objektivität ausstrahlen, uns aber letztlich zusätzlich verunsichern, weil sie sich nicht selten wechselseitig widersprechen. Und selbst die vielen Experten, von denen wir doch die allerhöchste Sicherheit erwarten, schätzen ein und denselben Sachverhalt oft sehr unterschiedlich ein. Und die Politiker sowieso, die je nach Charakter, Interessen oder Parteizugehörigkeit die Lage anders beschreiben und bewerten.-

Fest steht: Unsere Gewissheit, dass das Leben nun mal so ist wie es war, ist uns gehörig weggerutscht. Und wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht wirklich, wie wir vor allem aus dem sogenannten Lockdown heil wieder herauskommen sollen. Die Situation ist im wahrsten Sinne des Wortes kontingent: Sprich, es könnte alles so oder auch anders sein, so oder auch anders ausgehen. Kontingenz (spätlat. contingentia "Möglichkeit, Zufälligkeit") ist übrigens ein in der luhmannschen Systemtheorie gebräuchlicher Begriff, um die prinzipielle Offenheit und Ungewissheit menschlicher Lebenserfahrungen zu bezeichnen.-

Ja, man kann sich über eben jene Kontingenz empören. Und die Empörungsbereitschaften wachsen bereits. Wir können uns empören über Politiker, die uns nicht bewahrt haben vor der Katastrophe. Wir können und darüber aufregen, dass nicht einmal die Experten mit einer Stimme sprechen. Wir könnten ganz allgemein nach Schuldigen suchen. Waren es nun China, die Fledermaus oder doch nicht ein Geheimbund, der im Labor das Virus produziert hat, um die Welt ins Elend zu stürzen, die uns aus dem bisherigen Leben gerissen haben, oder einfach nur tölpelhafte Menschen, die die Viren selbstvergessen und egoistisch weitergegeben haben: Skifahrer, Wanderarbeiter etc.?

Aber inzwischen frage ich mich, ob das der richtige Ansatz ist. Sind es wirklich allein die äußeren Begebenheiten, die uns diese ohnmächtige Lage beschert haben? Sind es wirklich allein diese unsicheren und ungeklärten Verhältnisse, die uns so verstören? Oder hängt es nicht auch von uns und der Frage ab, wie wir selbst gedenken, mit der Situation umzugehen?

Ich finde, wir könnten uns eingestehen, dass wir alle uns seit dem Ende des zweiten Weltkrieges bislang in relativ komfortablen Zonen bewegt haben. Ich persönlich frage mich ja schon länger: Wie konnten wir nur davon ausgehen, dass alles so bleibt, wie es ist oder schon immer war? Ist es nicht eine illusorische Vorstellung, das Leben mit Stabilität gleichzusetzen. Und ist es nicht normal, hin und wieder vom Leben, ja auch vom gesellschaftlichen Leben – diesmal mittels Pandemie -, gehörig durchgeschüttelt zu werden?

Klar, wir alle streben eine gewisse Stabilität an. Der Mensch ist mitunter strukturkonservativ, keine Frage. Aber vielleicht haben wir die Rechnung diesmal viel zu lange ohne den Wirt gemacht.

Das Leben an sich ist – wie schon festgestellt – alles in allem unberechenbar, und das war es vor Corona auch schon. Wir konnten uns nie ganz sicher sein: Wer eine All-inclusive-Reise antrat nicht, dass er heil wieder nach Hause kommt. Wer sich selbständig machte nicht, dass er damit nicht auch ein kleines Abenteuer startete. Wer auf den Weihnachtsmarkt ging nicht, dass ihn nicht irgendein Radikalinski dort in die Luft sprengte.

Ich frage mich aktuell, woher wir überhaupt genommen haben, das das Ziel des Lebens sein sollte, möglichst wenig verunsichert zu werden – weder von der Gesellschaft, von einzelnen Personen noch von der Natur. Was für ein Aberglaube anzunehmen, man hätte eine natürliches Anrecht auf ein unaufgeregtes, risikoarmes – ja sicheres- Leben fast wie bei einer Pauschalreise.

Und nun zu dem Punkt, der mir dabei besonders wichtig erscheint: Warum eigentlich suchen wir unser Heil, die Antworten auf unsere Fragen, ja die Sicherheit ganz allgemein immer so gern außerhalb von uns? Warum schielen wir so bereitwillig auf Tabellen und Zahlen, rufen nach Experten und Politikern, die uns von der Unsicherheit befreien mögen, und blicken gleichzeitig so wenig auf uns selbst? Können wir uns nicht etwa selbst ein Bild von den Dingen machen, die uns irritieren und verstören, und ein Selbstgefühl entwickeln, das uns hilft, durch Krisen und schwierige Situation zu kommen? Das Selbstgefühl als Instanz in uns, das ja, wie der Name schon sagt, bei uns selbst beheimatet ist und nicht im Außen liegt, also kein fremdes sondern ein eigenes Gefühl ist, das mitunter hilfreich zwischen Verstand und Affekt vermittelt.

Selbstgefühl entwickeln wir in uns, wir haben es – wenn wir uns darum bemühen – unmittelbar parat. Auch das Selbstgefühl kann mir sagen, wie ich mich "richtig", verantwortlich und selbstbewusst durch diese Krise steuern kann. Tabellen, Experten und Politiker – gut, dass es das alles gibt, aber am Ende muss ich mit all dem leben, ich muss es denken und fühlen, kein anderer tut es für mich. Ja, wir haben Angst, sind verunsichert, ja die Lage ist für viele von uns prekär. Ja, es geht mir vielleicht schlecht, weil ich nicht weiß, wie es weiter geht. Aber richtig ist auch: Ich bin noch am Leben, und ich habe meine Erfahrungen im Leben gemacht, und ja, ich weiß schon, wie ich mich in dieser Krise befähige, ermutige und mich selbst (was nicht ausschließt, das nicht auch gemeinsam mit Anderen zu tun) trösten kann. Ja, mich gibt es auch noch! Ich bin für mich selbst zuständig, mein eigener Experte und wer, außer mir selbst bitte, sollte am besten herausfinden können, wie ich mich in dieser Krise verhalten soll?!

Und wie verhält es sich mit der Schuld und den Schuldigen? Vielleicht könnte man sich da auf folgendes einigen: Am aktuellen Umgang mit dem Corona Virus sind wir entweder alle schuld oder keiner. Die Dummheit mancher Politiker (Gott sei Dank sind solche in der Minderzahl) ist auch unsere Dummheit. Wir haben sie schließlich gewählt. Die Meinungsvielfalt unter den Experten ist auch unsere Vielfalt, die wir nur allzu gut von uns selbst kennen. Schon im engsten Kreis der Familie ist man ja mal über Kreuz miteinander; in einigermaßen gesunden Familien ist das jedenfalls so. Man sollte all diesen Meinungen und Ansichten Raum lassen, selbst wenn es manchmal weh tut, ihnen zu folgen. Mich persönlich stört dabei gerade der Absolutismus so mancher, auch und gerade der Experten, denen ein prominenter Platz z.B. im Heute journal eingeräumt wird, die dort ihre Ansichten und Einschätzung verbreiten dürfen, und andere, die ein weniger dramatisches Bild von der Lage zeichnen, nicht in dem Maße zu Wort kommen, wie es meines Erachtens wünschenswert wäre.

Aber noch haben wir das Glück, in einer demokratischen Gesellschaft zu leben. In einer Gesellschaft, die darauf angewiesen ist, dass wir selber denken und fühlen, in der Vielfalt und Widersprüchlichkeit einen Stellenwert haben, ja sogar vorausgesetzt werden müssen. Demokratien setzen auf den mündigen Bürger. Und es hat Wert, dass jedem einzelnen Individuum etwas zugetraut und ja, bisweilen auch etwas zugemutet wird. Der Mensch, der, die Antworten in unsicheren Zeiten für seine Lebensführung auch in sich und für sich selbst findet und nicht allein auf das Außen oder den Experten angewiesen ist, um zu wissen wie er sich verhalten soll, ist meines Erachtens ein wesentlicher Eckpfeiler liberaler Demokratien. Es kommt eben auf uns alle und auch auf unser persönliches Selbstgefühl an, wie wir uns durch diese Krise bewegen, was wir glauben wollen und nicht glauben wollen, und wie wir das Ganze anschließend verarbeiten und auswerten werden. Wir werden diesbezüglich noch viel zu tun kriegen, denke ich. Auch nach der Krise. Unsere persönlichen Erfahrungen, unser Selbstgefühl – und beileibe nicht nur die Kennzahlen – werden uns dabei weiter helfen.

RAIMUND SCHÖLL

schoell@schoell-consultingpartner.de
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www.atmosphaeriker.de

Gastkolumne von Mionetto: SO BRINGEN SIE DAS SÜSSE LEBEN NACH DEUTSCHLAND!

25.07.2019 "La dolce vita" - "das süße Leben". Mit nur drei Wörtern lässt sich das italienische Lebensgefühl auf den Punkt bringen. Und um dieses Lebensgefühl beneiden wir die Italiener manchmal: um ihre Ruhe und Gelassenheit, ihre Lebensfreude, ihr gutes Essen und ihre fantastischen Weine. Warum also nehmen wir uns nicht einfach ein Beispiel an ihnen und ihrer unbeschwerten Lebensart? Eine Möglichkeit, "la dolce vita" nach Deutschland zu holen, ist der typische Afterwork-Drink. In Italien, dem Geburtsland der Aperitif- Kultur, heißt das "Prendiamo un aperitivo!" – "Lasst uns einen Aperitif nehmen!" Mit diesem Satz lassen wir den Arbeitsalltag hinter uns und starten in einen entspannten Abend. 

Wie wäre es mit einer Bar, wo unser Aperitif schon auf uns wartet? Fruchtiger Apfelduft, Honig und Akazie – mit diesen Noten inspiriert uns der Mionetto Prosecco DOC Treviso Brut zu prickelnden Gesprächen und hilft uns, die italienische Gelassenheit zu zelebrieren. So kann der Abend beginnen!

"MIONETTO’S BELLINI"

Passend zum Aperitif hier ein echter Klassiker der italienischen Cocktail-Kunst: Die Rede ist natürlich vom #Bellini. Irgendwann zwischen 1934 und 1948 entwickelte Giuseppe_Cipriani in seiner "Harry’s Bar" im Herzen Venedigs das #Kultgetränk, das heute von den Cocktailkarten dieser Welt nicht mehr wegzudenken ist. Dabei ist die Zubereitung so einfach: Pfirsichmark und Prosecco bilden die Grundlage eines der beliebtesten alkoholischen Getränke der Welt. Der Bellini lässt sich übrigens auch wunderbar mit #Mionetto zubereiten. "Cin cin!" 

ZUTATEN FÜR 4 PERSONEN:

4 – 8 cl gelbes Pfirsichmark 

evtl. etwas Zuckersirup 
4 x 0,1 l MIONETTO Prosecco DOC Treviso Brut 
1 Pfirsich zum Garnieren

ZUBEREITUNG: Nach Geschmack Pfirsichmark mit etwas Zuckersirup verrühren, mit MIONETTO Prosecco aufgießen und genießen!

 APRICENA – DER APERITIVO 2.0

Ohne etwas zu knabbern ist ein Aperitif in Italien kaum vorstellbar. Lange Zeit waren Nüsse und Oliven die traditionellen Begleiter. Inzwischen denken die Italiener bei ihrem Feierabendritual jedoch größer, und der Aperitif wird mit unzähligen Häppchen kombiniert.

Der Aperitivo 2.0 heißt deshalb auch"Apricena" und ist eine Kombination aus Aperitif und Abendessen ("cena"). Dafür zahlen die Gäste in italienischen Bars zur Happy Hour häufig einen pauschalen Betrag und dürfen sich dann am reichhaltigen Buffet bedienen. Bruschetta, Mini- Pizzen, italienischer Schinken und Salami lassen Genießer-Herzen höher schlagen. Wie gut, dass der Mionetto Prosecco DOC Treviso Brut die vielen Köstlichkeiten so perfekt begleitet! Und dank der üppigen Häppchen halten wir es auch durchaus länger aus. Denn wer braucht danach schon ein Abendessen?

 APRICENA – FÜR ZU HAUSE 

Wer keine Lust hat, nach Feierabend in eine Bar zu gehen, kann sich das italienische Lebensgefühl einfach nach Hause holen und Freunde und Kollegen zu sich einladen. Dabei muss niemand Angst haben, dass die gesamte Arbeit am Gastgeber hängen bleibt, denn bei einer Feierabendparty im italienischen Stil steuert jeder Gast italienische Häppchen zum gemeinsamen Buffet bei. Dazu zum Beispiel einen Mionetto Prosecco DOC Treviso Brut in der praktischen Kleinflasche und schon können Sie anstoßen: ein Hoch auf den Aperitivo! Und auf das neue, deutsche "dolce vita!.  


Text+ Bilder: Mionetto/Henkell/Freixenet

Online bitte hier klicken:https://www.fuerst-von-metternich.de/#produkte
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#Back_to_Life - Team: 1000. Kinder werden gesund und sicher in den Bergen des Himalayas geboren

 Foto: Back to Life
Am 21. März 2019 wurde das 1.000te Baby in einem von Back to Life errichteten Geburtshaus in Mugu, Nepal, geboren. Der kleine Junge wurde auf den schönen Namen Vrikah getauft, welches in Sanskrit “Wolf” bedeutet. Bei der Geburt gab es keinerlei Komplikationen und der Kleine brachte ein stolzes Gewicht von 3.200 Gramm auf die Waage. Die Eltern des Jungen, Harini und Kal, kommen aus dem Dorf Bamkada in Mugu, welches ca. drei Stunden zu Fuß von Seri entfernt ist. Der lange Weg hat sich für die beiden jedoch mehr als gelohnt. Sie waren sehr zufrieden und glücklich mit der umfassenden Betreuung in dem Geburtshaus. Vrikah ist nun eines von 1.000 Kindern in Mugu, die unter professioneller Betreuung geboren wurden.

Dies war bis vor ein paar Jahren noch kaum denkbar. Back to Life freut sich sehr, dass dieser wundervolle Meilenstein in Mugu erreicht werden. Wir danken allen, die unseren Verein dabei unterstützt haben. Die Geburtshäuser von Back to Life (mittlerweile sind acht in Betrieb und fünf weitere befinden sich im Bau / Planung) wirken der unten geschilderten Problematik entgegen. Die Geburtshäuser werden gemäß den Richtlinien des „Safe Motherhood Programms“ der nepalesischen Regierung betrieben. Die dort stationierten Hebammen sind in der Lage, Obstetrik, Neonatalversorgung und Wochenbettbetreuung effektiv durchzuführen und Komplikation frühzeitig zu erkennen. Jede Schwangere erhält mindestens vier Vorsorgeuntersuchungen, gemäß den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Kinder werden in der Obhut der professionellen Geburtshelferinnen zur Welt gebracht und auch nach der Geburt werden Mütter und ihre Neugeborenen versorgt und können sich in unserem Geburtshaus für mehrere Tage erholen. Familien mit Neugeborenen werden zusätzlich mit Hygieneartikeln, wie Seife, Handtüchern und Kinderwäsche, unterstützt. Da es in Mugu sehr kalt sein kann, werden auch warme Wollmützen und Decken für die Kleinen bereitgestellt.

Hintergrund:

In Nepal sind 63 Prozent der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren Neugeborene. Das bedeutet, dass fast 15.000 Kinder pro Jahr im ersten Monat nach ihrer Geburt sterben (Nepal Ministry of Health 2016). In 2010 verloren weltweit ungefähr 287.000 Frauen ihr Leben in Verbindung mit Geburtsschwierigkeiten – 82.000 davon allein in Südasien (WHO, UNICEF 2012). Nepal hat mit 239 Sterbefällen der Mutter pro 100,000 Lebensgeburten eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten in der Region. Die Mehrheit dieser Todesfälle wäre eigentlich leicht vermeidbar.

Der Distrikt Mugu liegt in den Bergen des Himalayas und zählt zu einem der zehn am wenigsten entwickelten Gebiete Nepals, in der sogenannten Karnali Region (UNDP 2014). Der Human Development Index von Mugu liegt unter 0,4 – dies ist vergleichbar mit Südsudan oder Niger. Die Dörfer in den Bergen des Himalayas haben kaum Anschluss an das Straßennetz oder moderne Infrastruktur. Medizinische Versorgung, Zugang zu Bildung sowie Einkommensmöglichkeiten sind mehr als begrenzt. Nur 36% der Frauen bringen hier ihr Kind in einer Gesundheitseinrichtung zur Welt. Dies liegt weit unter dem Durchschnitt des Landes und weit unter Nepals Entwicklungsziel, bis 2030 90 Prozent institutionelle Geburten zu erreichen (Nepal National Planning Commission 2017).

Hinzu kommt, dass aufgrund eines vorherrschenden traditionellen Glaubens, Mädchen und Frauen in Mugu während ihrer Periode und auch während der Geburt als „unrein“ gelten und diese Zeit nicht im Haus verbringen und auch möglichst nicht von anderen berührt werden dürfen. Dieses Ritual ist unter dem Namen Chhaupadi bekannt. Die Frauen sind somit gezwungen, ihre Kinder allein in Viehställen oder im Wald zur Welt zu bringen. Bis zu 14 Tage nach der Geburt müssen die Mütter alleine mit ihren Säuglingen überstehen. Viele Frauen erleiden dabei Infektionen, Blutungen, Lungenentzündungen, Durchfall oder Traumata. Auch Todesfälle sind keine Seltenheit. Das Chhaupadi Ritual wurde zwar von der Regierung als Verstoß gegen die Menschenrechte verboten, jedoch ist die Umsetzung der Gesetze soweit entfernt von Kathmandu sehr schwierig und noch immer haben Traditionen oft den höchsten Stellenwert (New York Times 2018, Kadariya & Aro 2015).

Die Geburtshäuser leisten einen wichtigen Beitrag zu Nepals nationalen Entwicklungszielen sowie den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030. Insbesondere zu „SDG 3 - Ein Gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern“ sowie den dazugehörigen Zielsetzungen, die globlale Müttersterblichkeit bis 2030 unter 70 pro 100,000 Lebendgeburten zu senken, vermeidbare Todesfälle von Neugeborenen und Kindern unter fünf Jahren zu beenden und universellen Zugang zu Geburtshilfe, Schwangerschaftsbetreuung und Informationen bzw. Maßnahmen zu Familienplanung zu gewährleisten.


Ihr Back to Life

Team Back to Life e.V.
Louisenstraße 117
D-61348 Bad Homburg v.d.H. Deutschland

Arno von Rosen- In Deutschland wird sehr gerne über die Servicewüste berichtet und hergezogen, doch was ist dran an dem Mythos?

In diesem Artikel bilde ich einen Zeitraum von 14 Jahren ab, nenne nur konkrete Beispiele, welche nicht repräsentativ für die einzelnen Unternehmen sein müssen, jedoch eine Richtung andeuten. Am Ende des Artikels werde ich noch ein paar Tipps zum richtigen Umgang mit Service und Reklamationen geben.

Bereits Ende der 80er Jahre habe ich sehr erfolgreich Schuhe in ganz Deutschland und auf Messen als Dekorateur präsentiert. In dieser und anderen Funktionen bin ich diverse Mal eingeladen worden, mir auch die Produktionen einiger Unternehmen anzusehen. Dies ist heute so nicht mehr möglich, da der größte Teil der Herstellung ins Ausland verlagert wurde. Dort wird dann nicht oder nur in sehr geringem Maße auf Umweltaspekte wert gelegt, weil die Kosten die entscheidende Rolle spielen. Alle "Global Player" lassen in Asien fertigen, ob hochwertig oder nicht. Zugegeben, ich habe einen Faible für gute Schuhe und gebe gerne dafür Geld aus, weshalb ich noch nie bei Deichmann & Co. eingekauft habe, auch wenn es dort Markenartikel gibt, sind diese doch von schwacher Qualität. Wir kennen alle den Spruch, "Ich bin zu arm, um Billiges zu kaufen", doch hier ist der Ursprung dieses verunglimpften Zitates

"Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein
wenig schlechter machen kann und ein wenig billiger verkaufen
könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren,
werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter,
zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie
etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen,
verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die
ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel
Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen
Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen.
Wenn Sie dies tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für
etwas Besseres mehr zu bezahlen".

 John Ruskin (* 8. Februar 1819 in London; † 20. Januar 1900)

Nun, nach diesem Motto verfahre ich immer, weshalb mein Bericht sich ebenfalls um Premiumprodukte dreht. Zuerst #Sioux, Schuhhersteller. Nach drei Jahren des gelegentlichen Tragens stellte ich Risse an beiden Sohlen fest, schrieb einen Brief an Sioux, in dem ich auf die von mir gewünschte Qualität hinwies, denn immerhin kostete dieses Model damals schon etwa 110,- Euro. Zurück kam sofort ein Angebot und ein Schuh, den ich nicht mochte, jedoch ohne den alten Schuh als Beweis liefern zu müssen, ohne Telefonat und ohne Kosten, diesen Schuh wieder zurücksenden zu müssen. Ich solle auf die Homepage des Herstellers gehen, mir ein Modell aussuchen und fertig. So war dies eine sehr positive Erfahrung mit zusätzlichem Dankesschreiben der Firma für mein Aufmerksam machen auf einen Qualitätsmangel. Zugegeben, solcher Service ist selten, und ob in der Zeit der Schnäppchenjäger im Onlinegeschäft noch so verfahren werden kann ist fraglich. Die ausgetauschten Schuhe existieren heute noch und sehen aus wie ladenneu.

Irgendwann hatten wir uns entschlossen uns ebenfalls einen Kaffeevollautomaten anzuschaffen, aber wenn dies geschähe, wollten wir guten Kaffee (natürlich braucht es dafür ebenfalls hochwertige Bohnen), weshalb wir zuvor Vergleichsportale durchsuchten (die damals noch am Anfang standen und einigermaßen vertrauenswürdig waren). So kam es zu einer Jura Z5, die vor etwa 12 Jahren um die 2100,- Euro kostete. Nach drei Monaten brummte der Automat in den schillernsten Tönen und alle Versuche durch zusätzliche Dämmung und Schallabsorber Abhilfe zu schaffen, scheiterten. Wir brachten die Maschine zum Fachmarkt, welcher diese einsandte und nur eine Woche später konnten wir die Z5 wieder abholen, ohne nennenswerte Verbesserung. Genau nach zwei Jahren und zwei Monaten entschied sich das Gerät selber zu bestimmen was aus den verschiedenen Hähnen kam. Der Händler verwies auf die zweijährige abgelaufene Garantie und so wandten wir uns direkt an Jura (Niederlassung bei Stuttgart), die uns anboten gegen Geld danach zu schauen, nachdem wir auf eigene Kosten den Riesenapparat verschicken sollten. Darauf verwies ich auf die neuen Bewertungsportale und wie unangenehm eine solche Maschine im High End Bereich aufgenommen würde, die kurz nach Ablauf der Garantie ihren Geist aufgibt. Telefonisch war bei Jura niemand zu erreichen, doch wir bekamen am übernächsten Tag einen Leerkarton zugeschickt, nebst Rückporto. Versandten die Maschine und bekamen diese nur 2 Tage später zurück, ohne jegliche Kosten. Die Maschine war komplett revidiert worden, brummte nie wieder und machte bis zur nächsten Inspektion 30.000 Bezüge ohne murren, ist inzwischen bei 50.000 Bezügen und läuft einwandfrei.

Auch mein Daimler Kombi, der 80.000,- Euro beim Kauf verschlang, hatte so seine Mucken. Mal die Bremse, mal die Luftfederung und zu allem Überfluss bei rund 90.000 km versagten beide Querlenker (welche an der vorderen Achse sitzen). Der Werkstattmeister meines hiesigen Mercedes Händlers erzählte mir freudestrahlend, was ich dafür nur bezahlen müsse, da diese Teile sehr günstig bei Mercedes wären. Ich intervenierte, dass ich mir kein teures Fahrzeug kaufen würde, um dann Sachen auszutauschen, die bei viel preiswerteren Autos nie kaputt gingen. Darauf raunte mir der Meister zu, dass er wisse wo ich wohnte und dort die Straßen extrem schlecht seien, also wäre das einfach so und ich müsste es hinnehmen. Ich rief darauf hin den Vorstand in Stuttgart an und bat um Rückruf, den ich prompt bekam. Dort schilderte ich meine Verwunderung, dass Mercedes zwar in der Lage sei häufig gebrauchte Ersatzteile günstig anzubieten, doch anscheinend nicht mehr Willens Fahrzeuge für gutes Geld gut zu bauen. Ich wurde geduldig angehört, bekam zwei Tage später einen Werkstattermin, ein Ersatzfahrzeug, eine kostenlose Reparatur und einen wütenden Anruf vom Autohauseigentümer, der nur wenige Häuser von mir entfernt wohnte. Inzwischen fahre ich diese Marke nicht mehr, da ich seit nunmehr 8 Jahren komplett auf Autos verzichte, der Umwelt zuliebe und weil es gesünder ist, selbst in Bewegung zu bleiben. Natürlich gibt es nicht nur materielles Gut, sondern ebenfalls Dienstleistungen, wie zum Beispiel einen Kredit, den man prüfen und reklamieren kann.

Als Leiter einer Kreditabteilung, im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz-Gruppe, stolperte ich über so viele eingebaute Fallen, dass ich die Kunden, die zu mir kamen, um einen Konsumentenkredit zu beantragen, zuerst einmal informierte, was bei einer Anfrage zu beachten sei (damals war es die größte Konsumerbank Europas, die Cetelem Bank). Die meisten Kunden wollten den Kredit trotzdem haben, doch einige wurden auch hellhörig und haben ihr Verhalten gegenüber Banken gründlich überdacht. Ich selber rechnete alle jemals genommenen Kredit nach und forderte die Fehlsummen zurück. Immerhin hunderte von Euro, die durch die Falschberechnung der Zinsen immer zu meinen Ungunsten ausfiel. Sich also mit Zinsberechnung zu beschäftigen, den dazugehörigen Bonuszahlungen und dem Effektivzins, kann Geld in die Urlaubskasse spülen, und die Banken legen nie wert auf Öffentlichkeit, denn wer will schon Kreditnehmer, die Zinsberechnungen nachprüfen.

Desgleichen gilt für Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox, mit denen ich die letzten 12 Jahre Geschäfte gemacht habe, immer als Vermittler zu Stromanbietern. Es ist kein Geheimnis, dass Stromerzeuger-/ anbieter nicht nur ihren zukünftigen Kunden mit einem Bonus locken, sondern ebenfalls die Vergleichsportale kassieren kräftig ab, und da liegt auch der Hase im Pfeffer. Während die Anbieter langfristige Dauerkunden suchen, um ab dem zweiten oder dritten Jahr den Bonus wieder einzufahren, möchten die Portale so viele Kunden wie möglich vermitteln, zur Not auch diejenigen, die gerade gewechselt haben. So bekommt der Kunde kurz vor Ablauf des Vertragszeitraumes einen Hinweis, sich doch durch wechseln wieder einen günstigen Tarif, sowie einen neuen Bonus zu sichern, was mindestens unschicklich ist, doch sicher im Vertragswerk zwischen Anbieter und Portal geregelt sein dürfte. Mich schrieb sogar RWE an, ob solche direkten Hinweise auf einen erneuten Wechsel stattgefunden hätten. Natürlich bieten Portale am liebsten die Unternehmen an, mit denen sich die größte Provision verdienen lässt, während andere Stromanbieter gar nicht auftauchen, trotz günstiger Preise, weil diese keine Provision zahlen wollen oder nur eine viel geringere. Es empfiehlt sich jedes Jahr einen anderen Konzern mit der Stromlieferung zu beauftragen und eine Liste der Heimgesuchten zu führen, sonst passiert es, dass Sie abgelehnt werden (ohne Gründe) oder man Sie auflaufen lässt, bis die Zeit zum Wechsel zu gering ist. Ob es schwarze Listen gibt zwischen den ganzen Stromanbietern, wo Dauerwechsler, wie ich, registriert sind, weiß ich nicht, aber bei den einzelnen Unternehmen bin ich aktenkundig, wie mir verschiedene Mitarbeiter aus dem Kundenservive anvertraut haben. Doch alleine durch das Wechseln des Stromanbieters sind in den letzten 12 Jahren angenehme 1800,- Euro zusammen gekommen, selbst bei Ökostrom!

Die Liste meiner Reklamationen ist reichlich länger und nur bei den Chinesen habe ich mir die Zähne ausgebissen, denn denen sind Reklamationen völlig egal, weil die schon ihr Geld im Voraus bekommen und Firmennamen wechseln, wie andere Leute ihre Unterwäsche, aber dies betraf nur meine Welt als Hersteller, nicht als Konsument. Schließen möchte ich mit meinem letzten Fall und weil der Kreis sich so schön schließt, sind wir wieder bei Schuhen angelangt. Dieses Mal kaufte ich ein paar Birkenstock Pantoletten, welche bereits nach wenigen Monaten anfingen zu brechen, und die Sohle war so weich, dass es diese regelrecht im warmem Spätherbst dahinraffte. Zunächst schrieb ich an die Zentrale und sandte gleich mal zwei Bilder mit, auf denen man nicht nur erkennen konnte wie die Defekte aussahen, sondern ebenfalls, wie neu die Schuhe noch waren. Nach allerlei Mailverkehr wo weitere Forderungen an mich standen, und meine Erwiderung mit Angabe von Gesetzestexten zu diesem Thema, offenbarte ich meine mögliche Leserschaft, sowie einen Artikel (diesen hier), den ich über dieses Thema verfassen würde. Die Mail war noch nicht wirklich dort angekommen, als mich die Abteilungsleiterin anrief und mich fragte, welche Bombe ich da nun zünden wolle. "Natürlich keine", versicherte ich, und mir wurde versprochen, sich die Schuhe gleich nach Zusendung anzusehen (natürlich auf meine Kosten), um diese dann von Fachpersonal prüfen zu lassen. Nach 14 Tagen meldete ich mich, dass ich noch nichts gehört hätte und ob die Schuhe nun ausgetauscht würden. Wieder klingelte das Telefon und eine Mail trudelte herein. Ferien, Krankheit und eine dünne Personaldecke wurden als Gründe angeführt, doch man wolle die Schuhe reparieren und mir dann umgehend zuschicken. Dies geschah auch, selbst wenn ich ein neues Paar vorgezogen hätte, doch mein Obermaterial sei zurzeit vergriffen und man könne einer Reparatur vertrauen. Tatsächlich wurde der rechte Schuh, dessen Innen- und Korksohle defekt waren, eine halbe Nummer kleiner geliefert, was ich umgehend per Mail mitteilte und ich sofort wieder einen Anruf bekam, man könne auch da wieder Ersatz liefern und mich doch noch zufrieden stellen. Doch es gibt keine zweite gute Chance für einen ersten schlechten Eindruck, hat wenigstens meine Großmutter immer gesagt, aber das waren noch andere Zeiten.

Fazit: Ohne Diplomatie, rechtliche Grundlagenforschung, Geduld und Gelassenheit bekommen Sie heute fast nichts mehr einfach so reklamiert, außer Sie befinden sich direkt im Fachgeschäft Ihres Vertrauens und man kennt Sie als guten Kunden. Jeder Hersteller beugt sich vielleicht irgendwann dem Gesetz und erfüllt seine Pflicht, aber dies kann unter Umständen ein langer Prozess sein, welcher gerne in Warteschleifen anfängt, über Auswahlmenues verlängert wird und nicht selten bei einsilbigen Telefonmitarbeitern letztendlich scheitert. Die Service-Wüste Deutschland lebt also noch, auch wenn Firmen hie und da bemüht sind, den Kunden glücklich zu machen. Dies ist häufig erfolgreich bei Onlinekäufen und den Plattformen, welche unabhängige Bewertungsportale integriert haben und peinlich darauf achten, dass die Anzahl der vergebenen Sterne und Kommentare möglichst hoch und gut ist. Manche senden sogar Mails im Vorab, dass man, im Falle von Unzufriedenheit, immer eine Lösung zugunsten des Kunden finden würde. Nachtigall ick hör dir trabsen! Ein Zeichen dafür, dass es natürlich ebenfalls Kunden gibt, die mit dem Medium Bewertungen unprofessionell umgehen. Für mich ist nicht das Marketing einer Marke entscheidend, sondern der Umgang mit ihren Kunden, vor allem, wenn diese bereit sind einen angemessenen Preis zu zahlen. 

Meine Tipps und Tricks:

Sollten Sie einen Kredit aufnehmen wollen, stellen Sie sicher, dass keine Schufaauskunft eingeholt wird, bis nicht alle Konditionen verhandelt sind, denn mehrmaliges Anfragen bei der Schufa wird als Kreditablehnung registriert. Auch Rechnungsstreitigkeiten mit der Telekom sind ein Ausschlusskriterium bei der Kreditvergabe, während ein Festnestzanschluss als positiv bewertet wird. Sollten Sie der Zinsrechnung nicht mächtig sein, wenden Sie sich besser an eine Verbraucherzentrale, die geben Ihnen Tipps und können so helfen. Übrigens rate ich von der jährlichen Abfrage bei der Schufa dringend ab, da dies als Prüfung von eigenen Missständen gewertet wird und Ihren Scoringwert ebenfalls drückt. Merke! Je höher der eigene Scoringwert, desto niedriger der Kreditzins.

Heben Sie Rechnungen und Belege sorgfältig auf, für mindestens zwei Jahre, sonst wird es oft schwierig das Alter der defekten Ware festzustellen. Auch Bankbelege gelten als Beweis, falls der Kassenzettel verloren gegangen ist. Viele Hersteller verweisen gerne auf den Händler, aber der kann online vielleicht nicht mehr erreichbar sein oder weit entfernt liegen. Sie dürfen sich in jedem Fall an den Hersteller wenden, egal was Ihnen erzählt wird! Bekommen Sie niemanden ans Telefon oder wird auf Ihre Anfrage nicht geantwortet, senden Sie ein Fax oder einen Brief als Einwurfeinschreiben und setzen Sie eine Frist von 14 Tagen, um die Ware zu ersetzen oder Instand zu setzen. Dies ist wichtig, wenn der Fall mal bei Ihrem Rechtsanwalt endet. Werfen Sie die defekte Ware nie weg, denn ohne Beweismittel haben Sie kein Druckmittel in der Hand.

Sollte sich eine Reklamation beim Hersteller als fast zwecklos erweisen, bleibt Ihnen immer noch der Hinweis auf Bewertungsportale, denn in der Regel lesen Kunden nur die schlechten Bewertungen, weil sie diesen mehr vertrauen, als den 5 Sterne Rezensionen. Reklamationen sind heute auf dem Niveau von Pokerspielen. Es lohnt sich nicht gleich "All in" zu gehen, es sei denn, Sie haben einen Straight Flush auf der Hand ;-) 

Meinen Blogbesuchern und Lesern gebe ich gerne Tipps zu aktuellen Fällen, allerdings ist dies keine Rechtsberatung, sondern nur eine erste Einschätzung eventueller Möglichkeiten.