„Der Pandemie trotzen und kreativ bleiben!“ Gastkolumne von Christiane Gorius, 18.01.2021

Ein Blick in die Medien konfrontiert mit Impfnadeln, RKI-Zahlen, Bestattungsinstituten und Lockdown-Diskussionen. Hinzukommen News aus den USA, die das Stimmungsbarometerweiter nach unten sacken lassen. Sensiblen Zeitgenossen kratzt das an den Nerven. Wen wundert´s, dass die PsychotherapeutInnen gut zu tun haben, denn die Kneipe um die Ecke ist dicht und ihr Wirt muss sich ans Jobcenter wenden. Ähnlich geht es vielen KünstlerInnen und anderen Solo-Selbständigen, die das Däumchendrehen keineswegs genießen, denn in ihnen nagt die Frage, wann und wie es irgendwann für sie beruflich weitergeht. 

Zwar können gestandene FreiberuferInnen kreativ mit Sauregurkenzeiten jonglieren und entwickeln nicht selten ihre Motivationskicks aus wirtschaftlichen Flauten. Jedoch taugen diese Erfahrungspfründe nicht in der aktuellen Situation. Not macht erfinderisch? Das klingt in den Ohren vieler Kreativer im Moment eher zynisch. Gut, clevere Leute können die Pause nutzen, um sich weiterzubilden und all das zu machen, wozu sie nie richtig Zeit hatten. Das tun auch viele. Die Gefahr besteht jedoch, dass einigen von ihnen die seelische Puste ausgeht. Denn Kreativität ist leichter, wenn finanzielle Spielräume und sozial-emotionale Freiräume da sind. 

Gerade diese Raumprobleme und sozialen Kontakteinschränkungen können dazu führen, dass Menschen zu depressiven Stimmungen neigen. Sie werden verstärkt, wenn sie keine künstlerischen Ventile haben, um im inneren Gleichgewicht zu bleiben. Na ja, die MusikerInnen könnten daheim im Wohnzimmer musizieren, die MalerInnen könnten zeichnen und die SchriftstellerInnen könnten weiterschreiben. Sicher tun sie es, da der Künstler in erster Linie sein Metier für sich selbst ausführt und Kreativität schließlich immer guttut. Trotzdem fehlt was. Klar. Das lebendige Publikum, das eben mehr als digital ist!

So schnell kommen wir aus diesem Dilemma nicht raus, denn die neusten Corona-Mutanten zwingen weiterhin in die Sozialkontakt-Askese. Statt "Mutanten" brauchen wir lebendige "Mut-Tanten", die uns die Pandemie-Situation emotional und sozial erträglicher machen. Beide Phänomene sind unsichtbar und risikofreudig. Während es die "Mutanten" auf unsere körperliche und seelische Gesundheit abgesehen haben, wollen uns die "Mut-Tanten" zurück zu unserer inneren Mitte und Kraft führen. Doch wie locken wir diese liebenswerten Verwandten in unseren Alltag? 

Indem wir konstruktiv und kreativ miteinander umgehen, auch in den sozialen Medien. Auch wenn´s schwer fällt. Wir können nicht einfach rausgehen und Party machen. Wir können nicht das Bad in der Menge suchen, keinen Gemeinschaftssport treiben oder reale Feste feiern. Viele müssen sich beschränken auf das persönliche Telefonat, die Mail, den Chat, das Skypen, die Videokonferenz, den Podcast, den Spielfilm, das Buch, das Musikinstrument oder das Tagebuch - also das eigene kreative Potenzial. Der Trost der "Mut-Tanten" ist, dass sie sich ähnlich verbreiten wie das Corona-Virus. Aber nur, wenn wir selbst Mut für sie aufbringen, können sie inspiriert werden und in unser Leben schlüpfen. Sie sind die kreativen Vorboten einer neuen Gesellschaft, die auf #Resilienz, #Besonnenheit und #Empathie setzt.

Text: Christiane Gorius
Foto: Christiane Gorius privat

"Deine Kreativität kannst Du nie aufbrauchen. Je mehr Du sie benutzt, desto kreativer bist Du.“ Maya Angelou 

#Maya_Angelou (1928-2014) war eine US-amerikanische Autorin, Professorin und eine der wichtigsten Personen der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Die Germanistin und Sozialpsychologin #Christiane_Gorius ist seit 1995 selbständig tätig als Dozentin für Persönlichkeitsentwicklung (Rhetorik, Theater, Pilates, Entspannungsverfahren). Nebenbei schreibt sie Bücher und fotografiert gern.


Ihr aktuelles Buch "Willkommen im Atelier des Wandels“ ist unter anderem erhältlich bei: 

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