Gastkolumne Arno von Rosen: Kinder in der Küche …

… sind eine seltene Erscheinung, heute mehr als früher, wo wir oft den Spruch zu hören bekamen, "Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht!" Dieser Satz, der schon 1911 von Johann Lewalter als "Zuchtspruch" gesammelt wurde, um kleine Kinder vor Gefahren zu warnen, wird vielleicht nicht mehr so oft aufgesagt wie früher, aber selten haben unsere lieben Kleinen Zutritt zur Küche, denn wir wollen ja, dass es unsere Kinder gemütlich, geborgen und nicht zu anstrengend haben. 

Natürlich ist das auch bedingt durch den hektischen Alltag, der viele Eltern zwingt, den Tag maximal auszunutzen. Zwischen Arbeit, Kindergarten, Schule, Einkaufen und dann noch Kochen, ist kaum noch Zeit, auf den Nachwuchs aufzupassen, während man in Windeseile ein Essen zubereiten will oder muss. Auch ich unterlag oder unterliege noch den zeitlichen Zwängen, schnell etwas auf den Tisch bringen zu müssen. Als Mann werde ich da gerne belächelt, aber überwiegend nur von meinen Artgenossen, denn Frauen finden es wunderbar bekocht zu werden, meistens jedenfalls. 

Die traditionelle Rollenverteilung, wo der Mann das Geld nach Hause bringt und die Frau sich um Herd und Kinder kümmert, ist schon lange vorbei. Im Gegenteil, ich stelle bei der Generation der 15 bis 25 jährigen Mädchen und Frauen immer mehr fest, dass es eine Art selbstbewussten Stolz gibt, nichts in der Küche zustande zu bringen, außer verkochte Nudeln und Fertigessen aufzuwärmen, wobei dann gerne darauf geachtet wird,  keine Mikrowelle zu benutzen, weil dieses ja schädlich sein könnte (spielt bei Fertiggerichten auch keine Rolle mehr). So werden ganze Heerscharen von jungen Menschen allzu oft in ein Singleleben entlassen, denn etwa 35 Prozent aller Wohneinheiten in Deutschland sind Einzelhaushalte. 

Daraus resultieren dann folgerichtig die enormen Zuwächse an Produkten, welche nur noch erhitzt werden müssen, um sie zu essen, oft mit Folgen für die Gesundheit, denn ohne es zu wissen, vertragen viele die Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe oder Farbgeber nur bedingt oder gar nicht. 

In jungen Jahren häufig noch kein großes Problem, wer macht sich schon Sorgen um morgen, wird im Laufe der Jahre die Empfindlichkeit gegenüber diesen Zusätzen größer. Irgendwann kommt dann doch eine langfristige Partnerschaft in Frage, nach oder mit der Karriere, dann ein Kinderwunsch und schon tritt der Ernstfall ein. Der Nachwuchs steht vor der Tür und will gefüttert werden. Zuerst ist die Situation mit Stillen und Gläschen gesichert, aber dann kommt die Phase, wo wir nur das allerbeste für unsere Kinder wollen, aber was ist das? 

Geprüftes Spielzeug? Textiles Vertrauen? Sichere Kinderwagen und Kindersitze? Treppengitter? Sicher, alles wichtige Punkte. Aber was ist mit der Ernährung? Jetzt muss ein Crashkurs her, um von Null zum Spitzenkoch aufzusteigen, aber wie? Ratgeber und Kochbücher für alle Lebenslagen gibt es zuhauf, aber ersetzen diese ein grundsätzliches Wissen? Leider nicht, denn in hochglänzenden, schicken und leckere aussehenden Kochanleitungen geht es um ein Endprodukt und selten wird auf die Zutaten und ihre Jahreszeiten, Vitamine, Mineralien oder ihr genaues Aussehen eingegangen. 

Und weil wir nur selten das eigene Werk so schön hinbekommen wie auf dem Bild, stellt sich auch der Frust schneller ein, denn wir waren als Kinder ja nicht in der Küche und haben einer Oma oder Mutter über die Schulter geschaut, außer vielleicht an Weihnachten, wo es in erster Linie darum ging, den Teig der Weihnachtsplätzchen zu vertilgen, bevor er den Ofen erreicht. Mein Vorschlag: Trauen Sie sich und Ihren Kindern etwas zu und wenn es die Woche nicht hergibt, planen Sie einen festen Kochtag ein, den Sie gemeinsam besprechen, ein Essen festlegen, das dem Kind gefällt und lassen Sie die Kleinen tatkräftig mithelfen, denn es ist doch egal, ob mal ein Ei runter fällt, Mehl daneben geschüttet wird oder das Gebäck hinterher nicht perfekt aussieht. Es geht um den Spaß in der Küche, bei dem spielerisch erlernt wird,  sich für seine Lebensmittel zu interessieren und als Nebeneffekt bekommen Sie Kinder die über ihre Mahlzeit nicht nörgeln, sich auf gemeinsame Erlebnisse freuen und gesünder aufwachsen. 

 Arno von Rosen
Sie wären erstaunt, wie schnell Kinder dazu lernen, wenn sie Freude haben. So mache ich es schon seit drei Jahren mit meiner kleinen Nichte (5), die sich auf jeden Sonntag mit ihrem Onkel freut und uns damit beiden das Herz erwärmt. Übrigens, bis auf die kleinen Hilfen bei Dekoration oder Teig kneten hat mein kleines Goldstück die Speisen selbst gemacht und auch die Zutaten selber bestimmt. 

Fazit: Kochen mit Kindern macht einen Riesenspaß und ist nicht gefährlicher als ein Besuch im Schnellrestaurant. Das sollte uns doch ein oder zwei Tage in der Woche wert sein, oder? Viel Spaß bei Ihrer persönlichen Weihnachtsbäckerküchenshow! Es grüßt Sie bemehlt und lachend, Ihr Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Koch aus Leidenschaft und verliebt in sein Kochkind – bleiben Sie knusprig, fluffig und locker!


Kommentare:

  1. Ein sehr guter Artikel! Ich werde ihn mal teilen. Es tut Not, dass wir umdenken.

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  2. Wunderbarer Artikel. Ich erlaube mir mal, ihn zu teilen.

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  3. Genau: weniger müsste sondern einfach ranholen. Die älteste Geschichte der Welt: wie bereite ich mir eine nahrhafte Mahlzeit zu. Gibt es irgendwas Wichtigeres außer "du sollst nicht töten"?

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  4. Ein toller Artikel, wobei ich es eigentlich nicht anders kenne, als dass Kinder in der Küche mitmachen! Trotzdem gibt es sicher noch einige Familien, wo das nicht so der Fall ist und so ideal wie bei Dir und deiner Nichte ist es sicherlich selten! Eine gute Anregung und das gemeinsame Kochen macht sicherlich allen Beteilgten einen Riesen-Spaß! Die Speisen sehen jedenfalls sehr lecker aus und an der hübschen Zeichnung (wahrscheinlich Deine Nichte?) kann man den Eifer an der Sache gut erkennen! Viel Spaß noch Euch zwei! Herzliche Grüße, Nessy von den happinessygirls.com

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  5. Irgendwie hat gemeinsam in der Küche verbrachte Zeit einen ganz besonderen Wert. Wenn ich an meine Omas denke erinnere ich mich an die eine, wie sie am Herd steht und in einem Topf mit blubberndem Griesbrei rührt, die andere, wie sie auf eine laut lärmende Kaffeemühle drückt, die auf dem Küchentisch steht und mich jedesmal hinein schauen läßt, während mein Opa das Gaeschirr spühlt.
    Eine der besten Erinnerungen an meine Mutter stammen auch aus der Küche: Kuchen backen war unsere gemeinsame Leidenschaft, die ich dann auch versucht habe mit meiner eigenen Tochter zu teilen.
    Danke für den schönen Artikel. Es kommt nicht auf das Resultat an, sondern auf die Zeit, die man gemeinsam damit verbringt etwas zu bereiten, was einerseits notwendig ist und andererseits dem Wohlbefinden anderer dient.
    Herzlichst
    Ruth

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