Gastkolumne #Arno_von_Rosen: Frauen und Männer über den Kamm geschoren!

 Arno von Rosen
Falls Sie jetzt darauf gehofft haben, ich würde mich über die offensichtlichen Unterschiede der Geschlechter auslassen, befinden Sie sich auf einem haarigen Weg, denn nirgendwo sind die Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein so groß wie bei der Körperpflege. Natürlich rasieren sich beide Seiten an den unterschiedlichsten Stellen, oder etwa doch nicht? Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist fast keine Körperstelle davon verschont geblieben. Der Trend geht vom Gestrüpp der 70er Jahre hin zur Landebahn des neuen Jahrtausends und es wird gewachst, epiliert und rasiert, bis kein Haar mehr beim Anderen bleibt. 

Fast automatisch verschieben sich bei Männern im Laufe ihres Lebens die vorgegebenen Rasenflächen zusehends von oben nach unten, in die Ohren, Nasen, oder sonst wohin, aber auch dafür sind allerlei neue Kosmetikartikel auf den Markt gebracht worden. Bin ich selber noch zu einer Zeit groß geworden, wo Männer zum Geburtstag eine neue Flasche Tabak Original und zu Weihnachten neue Socken, Unterhosen und Krawatten bekommen haben, hat sich die Industrie auf das Testosteronopfer "Mann" gestürzt, nicht zuletzt weil der Anspruch von Frauen ein ganz anderer ist als vor 30 Jahren. 

Einfach nur Jeans, Sweatshirt, Vokuhila und der Spruch "Ich schau Dir in die Augen Kleines" reichen schon lange nicht mehr aus, um seine Herzdame zu erobern. Neue Studien belegen sogar, dass Frauen zuerst auf Hände und falls möglich auch auf Füße achten. Sind diese gepflegt,  steigen die Chancen beträchtlich auf ein erstes Rendezvous. Da sollte man auch nicht als verheirateter Mann fahrlässig handeln und sich gehen lassen. 

So habe auch ich bereits vor 10 Jahren mein erstes Kosmetikset von meiner Frau geschenkt bekommen. Nein, keine Nagelschere oder gar ein Kamm (bei mir geht sowieso nur eine grobe Bürste), sondern etwas für die Füße, von dem ich nicht mal wusste, dass so etwas überhaupt existiert. Ich betrachtete damals mein Geschenk voller Argwohn und sondierte Pflegesocken in rosa (eine andere Farbe gab es nicht, behauptete meine Frau), mehrere Fußreiben in verschiedenen Körnungen, spezielle Nagelveredelungsinstrumente, ich äh ..., kenne nicht die Fachbegriffe, und eine große Dose Fußbutter! 

Ja, liebe Männer, Sie haben richtig gehört. So etwas gibt es tatsächlich. Selbstverständlich habe ich mich darüber gefreut (etwa ein Jahr später), als ich einen unbeobachteten Moment genutzt habe, diese Dinge aus der Zukunft der metrosexuellen Männerwelt auszuprobieren. Okay, beim ersten Mal habe ich mich angestellt wie ein Neandertaler und war erst nach zwei Stunden fertig, aber auch mich hat das Ergebnis umgehauen. Aus meinen normalen Tretern waren in wenigen Stunden Babyfüße geworden, die sich so gut angefühlt haben, dass ich sie dauernd aneinander gerieben habe, zumindest wenn ich keine rosa Socken trug. 

Seit dem konnte ich nicht mehr davon lassen und meine Frau hat sich neu in mich verliebt (na gut, nur in meine Füße, was soll's). Danach habe ich angefangen, mir auch die Brust zu rasieren, was erstens kaum der Rede wert war und zweitens nie wieder vorkommt, weil das beim Nachwachsen dermaßen juckt, dass andere Menschen glauben,  man hätte Läuse, oder noch schlimme
res.

Irgendwann haben sich die Standards bei mir eingependelt und aus meinem schattigen Minieckchen in unserem Bad ist eine veritable Fläche von fast 50 Zentimetern Breite geworden, plus einem eigenen Refugium in unserem Kosmetikschränkchen, wo dann Babyshampoo für weichere Haare (jetzt werde ich natürlich ständig verwuschelt und sehe immer aus als ob ich gerade aufgestanden wäre), Creme für Ellenbogen und Knie (ich könnte jetzt Kniemodel werden), fürs Gesicht, Butter für die Füße und einen Fön, der es sogar kalt kann. 

Im Vergleich zu meiner Frau bin ich damit immer noch auf dem Niveau eines Cro Magnon Menschen, aber ab und zu darf ich sie jetzt auf ihren Raubzügen durch die Beautyhallen der Menschheit begleiten und ihr helfen, die Beute nach Hause zu schaffen, wo bereits 300 Artikel darauf warten ihre Wirkung an meiner Gattin zu entfalten. 

Natürlich muss jetzt kein Mann sofort loslaufen (ohne Ausbildung wäre das sowieso zwecklos), aber wenn es auf Ihrem Wunschzettel stände verspreche ich Ihnen zumindest geschmeidige Weihnachten. 

Es grüßt Sie geschniegelt und gestriegelt, Ihr Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Koch aus Leidenschaft und total von den Socken – bleiben Sie zart, gefeilt, gekämmt und zuversichtlich!


Kommentare:

  1. Ich muss lächeln,lieber Arno. Gut, dass ich kein weibliches Wesen um mich herum verwöhnen muss.
    Bei näherem betrachten und in Erinnerung an Gespräche von Autorinnen über dieses Thema beim Mann komme ich doch ins Grübeln. Vielleicht sollte ich mir da doch von erfahrener Stelle Anleitung besorgen.
    LG Dietmar

    AntwortenLöschen
  2. Hallo,das ist ja wirklich mutig von Dir gewesen, dieses Mäppchen zu benutzen - und die Fußbutter dazu! Auch wenn mir der leicht ironische Unterton nicht entgangen ist... Gratulation zu Deinen bahnbrechenden Erkenntnissen, die Du in gewohnter unterhaltsamer Manier auf´s Papier gebracht hast. Du hast mich wie immer vortrefflich (um nicht einfach zu sagen: klasse) unterhalten! Stell´Dir vor, wenn man an den Füßen schon so einen Erfolg erzielen kann, wie groß er erst im Gesicht sein muß! Für Anregungen kannst Du gerne auch einmal hier schauen (http://happyhealthytrendy.com/2014/07/18/vorher-nachher-vom-knitter-alien-zur-happinessy-trickkiste-furs-morgenstyling/), da ist ein ähnlicher Artikel über´s Gesicht, auch mit praktischen Tipps... Aber wahrscheinlich bist Du ja auch da schon bestens ausgestattet -wieso solltest Du am Hals haltmachen?
    Ein wunderschönes, gepflegtes Wochenende wünscht Dir Nessy von den happinessygirls

    AntwortenLöschen