Gastkolumne: Arno von Rosen- #Ethik in der Medizin?

So wie Sie, bin auch ich nur ein normaler Patient (zum Glück sehr selten), der jeden Monat brav seine Beiträge an die Krankenkasse entrichtet, ob als Angestellter oder Selbstständiger. Alle Beispiele, die ich hier benenne, habe ich selbst recherchiert und sogar schriftliche Belege vom Gesundheitsminister Bahr bekommen. Um die Fakten vergleichen zu können, geht es in den Fällen nur um die Techniker Krankenkasse. Wir kennen ihn alle, den #Hippokratischen_Eid, der nach dem griechischen Arzt Hippokrates von Kos (460-370 v. Chr.) benannt wurde und der im Wesentlichen dem Schutz des Patienten dienen soll. 

So darf ein Arzt keinen Kranken ignorieren, oder sexuell missbrauchen, falsch behandeln, durch Inkompetenz,  Schaden zufügen und einiges mehr. Dieser #Eid ist der ethische Grundstock der #Medizin und das #Gesundheitssystem bezieht sich gerne und oft auf diese #Ethik. Nicht zuletzt resultiert daraus auch unsere Sichtweise auf die "Götter in weiß" und wie ich selbst von Ärzten erfahren habe, nimmt diese Berufsgruppe allzu gerne diesen inoffiziellen Titel an. 

Um ein wenig Licht in das schummrige Umfeld unserer Ärzteschaft zu werfen, gebe ich Eckzahlen an Sie weiter, die ich nicht groß auszuschmücken brauche, denn sie sprechen für sich selbst. Im Jahr 1994 lagen die Einnahmen aller #Gesetzlicher_Krankenversicherungen (GKV) bei knapp 119 Milliarden (alle Werte in Euro) und stiegen kontinuierlich bis auf 204 Milliarden im Jahre 2014 (Quelle: #Bundesregierung) an. Im selben Zeitraum reduzierten sich die Krankenkassen, durch Fusion oder Wegfall, von über 1000 (1974 noch 1800) auf 123 Stück (Stand: 1.Juli 2015), ohne das sich die #Verwaltungskosten geändert hätten (im Mittel um 5% der Gesamteinnahmen).

Die Bevölkerung ist in diesem Zeitraum um einige Millionen geschrumpft, die #Sterblichkeitsrate kaum gestiegen und die #Krankentage pro Kopf der arbeitenden Bevölkerung sind drastisch zurückgegangen (auch aus #Furcht seinen Arbeitsplatz zu verlieren). Die #Lohnentwicklung hat sich hingegen seit 20 Jahren immer um die 3% bewegt und viermal sogar eine Nullrunde eingelegt. Ergo ist der #Krankenkassenbeitrag im Verhältnis zum #Bruttoeinkommen stark gestiegen. 

Zuletzt wurde das durch einseitige Erhöhung des Arbeitnehmeranteils kompensiert, um die Unternehmen wirtschaftlich zu entlasten (ich spare mir an dieser Stelle die exorbitanten #Gewinnsteigerungen der Unternehmen in diesem Zeitraum). Wo ist also unser ganzes Geld hin geflossen? 

Offiziell zu uns, denn seltsamerweise geht jedes Jahr die Einnahmen/ Ausgabensituation fast auf Null auf. Da sitzen dann entweder #Rechengenies, die bereits vorher wissen, wer alles wie krank wird und es werden nur um so viel die Beiträge erhöht, wie es unbedingt gebraucht wird oder es passiert dauernd ein Wunder. Ich kann Sie trösten, es ist kein Wunder, nicht mal ein medizinisches. Aber wie funktioniert es denn dann?

Um alles wieder zu vereinfachen, lasse ich mal außen vor, dass wir Krankenkassen haben, die seit über 20 Jahren nicht effektiver geworden sein sollen, trotz Fusionen, Wegfall, Mitarbeiterreduktion, PCs usw. Auch sind ja schon ein halbes Duzend großartiger Gesundheitsreformen an unseren trüben Augen vorbeigezogen. Was davon blieb? 

Wegfall des #Brillenzuschusses, #Praxisgebühren on/ off Theater, #Fallpauschalen in #Krankenhäusern und Praxen, #IGeL_Leistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen), welche nicht nur keinen Nutzen haben, sondern oft auch noch dem Patienten schaden (z.B. #Prostata_Untersuchung) und für die Patienten jährlich bis zu 1,5 Milliarden ausgeben. 

Auch der so genannte medizinische Fortschritt hat sich nicht so rasant entwickelt wie die Kosten hierfür. Jetzt sind Sie schon ein wenig verwirrt? War ich ebenfalls, bis ich ein paar schöne Tricks und Kniffe z.B. der #Pharmaindustrie herausgefunden habe. Läuft ein #Patent für ein #Medikament ab (10 Jahre) erlischt die Erlaubnis den Preis für dieses Mittel selbst zu bestimmen und es wird deutlich günstiger, es sei denn die Zusammensetzung der #Wirkstoffe ändert sich, egal wie gering diese neue #Wirkstoffkombination auch sein mag. 

So gibt es eine Menge Medikamente, die für eine einzige Behandlung an einem Patienten 50.000 Euro kosten! Es muss sich demnach um teure Wirkstoffe, langwierige Forschung oder seltene Krankheiten handeln. Irrtum. Es handelt sich um reine Phantasiepreise, die willkürlich zusammengesetzt werden und nicht logisch erklärbar sind, auch nicht für Wissenschaftler. Es geht schlicht um #Gewinnmaximierung und die wird mit Hilfe von #Lobbyisten im Gesundheitssystem durchgedrückt. 

Wenn ein #Pharmaunternehmen dann einem Arzt eine #Prämie zahlt, um dieses teure Medikament zu verschreiben, gilt das nicht als #Bestechung, da der Arzt freier Unternehmer ist. Sehr beliebt ist auch der undurchsichtige #Krankenkassenbeitrag, den jeder bezahlen muss, sonst gibt es keine Behandlung. So bezahlt man bei 1500 Euro Nettoeinkommen 180 Euro Beitrag, der Arbeitgeber noch einmal das Gleiche, also 360 Euro. Ein selbstständiger bezahlt etwa 450 Euro (so weit, so gut). Weist der #Selbstständige nach, dass er nicht über dieses Einkommen verfügt (das Einkommen wird rein hypothetisch vom Staat angenommen, egal wie viel man verdient, es sei denn man verdient mehr), reduziert sich der Betrag auf 235 Euro, ist er/ sie freiwillig versichert bietet die Krankenkasse einen Tarif von unter 200 Euro an (mir wurden 170 Euro angeboten), bezahlt der Staat über Hilfeleistungen sind es bereits 250 Euro. 

So richtet sich der Beitrag nicht nach der medizinischen Notwendigkeit, sondern nach der machbaren Einnahmemöglichkeit, alles mit Segen der Regierung, wie mir das Büro des Gesundheitsministers versichert hat. Es ist eben Gesetz. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch fehlende #Krankheitsbilder, für die man schon Pillen entwickelt hat. 

Da ist #ADHS nur ein Beispiel von vielen und die Entwicklung von angeblichen Verhaltensstörungen ist besorgniserregend. In der Regel wird das Skalpell aber an der #Geldbörse angesetzt, oder wahlweise an den Körperteilen, die einen hohen #Gewinn für #Krankenhäuser und #Chirurgen abwerfen. Übrigens, wer einmal seine Beiträge nicht bezahlen kann, durch Krankheit, Armut oder was auch immer, trifft bei allen Kassen auf taube Ohren, wenn es um eine Reduktion der ausstehenden Beiträge oder gar den Wegfall derselbigen geht. 

Notfalls bleiben diese Schulden 30 Jahre bestehen und führen nicht selten zu einer Insolvenz, egal ob bei #Unternehmen oder #Einzelpersonen. Das ist ebenso politisch gewollt wie der Rest des Systems. Bei kostenintensiven Patienten wird auch gerne mal eine andere Krankenkasse empfohlen, um den Beitragszahler loszuwerden z.B. bei schweren Krankheitsverläufen wie Krebs oder dauerhaft chronischen Erkrankungen mit hohem Behandlungsbedarf. 

Falls Sie jetzt immer noch nicht geschockt oder frustriert sind, gratuliere ich zu Ihrer starken Konstitution und falls Sie es noch nicht wussten, nächstes Jahr sollen die Beiträge wieder einmal erhöht werden, weil SIE einfach zu krank sind. Was ist denn mit dem #Hippokratischen_Eid? 

Der schützt uns doch, oder? Diesen Eid gibt es in Deutschland überhaupt nicht, genauso wenig wie eine andere medizinische Verpflichtung dem Patienten gegenüber, es sei denn, Sie können dem Arzt #unterlassene_Hilfeleistung nachweisen, aber nicht mit Hilfe eines anderen Arztes, denn die dürfen nicht einmal schlecht übereinander reden. Das ist sogar Vorschrift!

Es grüßt Sie mit Schrecken und vielen guten Vorsätzen für die Zukunft, Ihr Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Koch aus Leidenschaft, und Diätabstinenzler – bleiben Sie aufmerksam und vor allem gesund.

Fotos: Arno von Rosen


Kommentare:

  1. Lieber Arno,
    ich habe diesen Artikel mit großem Interesse gelesen und kann aus eigener Erfahrung einigem zustimmen. Die Beiträge zur Krankenversicherung sind bei uns in Österreich enorm hoch, wenn man z.B. nur geringfügig arbeitet als Student und dann über die Grenze kommt. Da treibt einen Arbeiten fast in den Ruin.... Von meinen Erfahrungen mit Ärzten (speziell an Krankenhäusern) möchte ich erst gar nicht berichten....

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  2. Schöner Bericht, tja das Gesundheitssystem ist nicht mehr das was es einmal war, was will man erwarten wenn private Firmen Krankenhäuser leiten dürfen. Da muss der Patient ganz weit hinten anstehen, an erster Stelle steht der Gedanke wie kann ich am meisten mit dem Menschen verdienen. Nicht anders ist es mit der Krankenversicherung und den Pharma Unternehmen. Lg Holger

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  3. Liebender Rosenarno von Kern und zu Gesund

    Ethik ist ein Funktionalpragmatismus
    Die Moral in der Medizin ist ehedem an den Universitäten abhanden gekommen
    Schauen Wir auf das Leben des Paracelsus von Hohenheim und wie dieser ganzheitliche universelle Geist ehedem angefeindet war
    Und als in der Elementenlehre der Äther aberkannt wurde
    obwohl der Rundfunk durch den Äther sendet verkam der Mensch zu einer
    Symtomreperaturmechanik
    Wenn der Geist verwirrt, die Seele unbeseelt ist, reagiert der Körper symtomatisch Hilfe rufend
    Heuer Platz eins: Depressionen seit 1997 um 30% gestiegen
    Sinnentleerte traurige zukuntftsverängstigte Menschen sind gekränkt
    Hier gilt es die versunkene Sprechstunde als eine seelische geistige
    Anamnese wieder auferstehen zu lassen
    Und entgegen des Konzils von Konstantinopel den Menschen wieder
    Als Einheit von Geist Seele und Körper zu erinnern und würdigen
    Ethik bedarf Ihres Bruders, der Moral

    danke
    Dir Joachim von Herzen
    ehemals Zivieldienstleistender
    und langjähriger Plegehelfer

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