Gastkolumne Arno von Rosen: Es ist Kunst, und wo ist sie hin?

 Arno von Rosen
Kunst hat heute viele Gesichter, ob Gesang, Theater, Film, oder sogar die Kunst schmackhafte Mahlzeiten zuzubereiten. Natürlich sind da überall die Geschmäcker und das Grundverständnis verschieden. Der Eine findet einen Kinofilm maximal unterhaltsam, der Nächste wiederum hält ein Sternemenü für das höchste der Gefühle. 

Ich möchte heute die Kunst des Malens herausgreifen. Nein, natürlich nicht willkürlich, dafür kennen Sie mich schon zu gut. Es geht mir um die Sichtbarkeit von Kunst, ob im Museum, wie auch Bilder meiner Vorfahren, die in Ausstellungen zu sehen sind, oder eben auch im Keller einer Galerie auf den baldigen Einsatz warten, so wie viele Werke, weit bekannterer Maler, als die aus meiner Familie.

Sicher waren Sie schon einmal im Museum, oder in einem Schloss, wo scheinbar unzählige Gemälde ausgestellt sind, sodass man sich kaum an alle erinnern kann, wenn man das Gebäude verlässt. Auch ich habe schon einige Ausstellungen besucht, ob in Schönbrunn, Venedig, oder auf einer Vernissage um die Ecke, längst nicht so viele wie ich gerne wollte, aber immer mit einem Gefühl der Bereicherung, diese Schätze gesehen zu haben. 

Einige von Ihnen haben möglicherweise sogar schon die Mona Lisa im Louvre gesehen, und sich gewundert wie klein dieses Bild in Wirklichkeit ist. Haben Sie sich jemals beim Anblick dieser Pretiosen gefragt, ob diese echt sind? 

Ich habe Kopien großer Meister gesehen, die kaum ein Experte hätte auf den ersten Blick erkennen können, außer natürlich bei der Leinwand, der Beschaffenheit der Farben, oder der natürlichen Alterung eines Bildes. So hängen in Museen sicher auch Kopien von extrem teuren Werken, ob da Vinci, Van Gogh, Matisse, oder Rembrandt. Aus Sicherheitsgründen ist das sogar sinnvoll. Noch mehr von diesen, oder anderen großen Malern bekommen Sie aber niemals zu Gesicht, oder haben Kenntnis von diesen Werken. 

Und das nicht weil wir diese Gemälde nicht sehen wollten, sondern weil sie eine neue Währung darstellen. Jetzt runzeln Sie vielleicht Ihre Stirn, so wie ich, als mir diese Tatsache das erste Mal begegnet ist. Die Erklärung dafür ist wirklich simpel. Die Wirtschaftskrise von 2008, die immer noch anhält, ob Griechenland nun gerettet ist oder nicht, hat die Zinsen weltweit auf ein Dumping-Niveau gedrückt, und so mancher Staat hat seit dem am Bankengeheimnis der Steuerparadiese gebohrt, um mögliche Millionen doch noch ausfindig zu machen. 

Folglich war es nicht mehr lukrativ und sicher sein Geld in Geld anzulegen. Auch an der Börse gab es starke Einbrüche und Schwankungen, und so flüchtete das scheue Reh "Kapital" in Immobilien, nur um ein Neuzeithoch nach dem anderen zu erreichen, mit aberwitzigen Steigerungen der Quadratmeterpreise und Mieten. Nur, was macht der geneigte Milliardär, wenn die Innenstädte von Paris, London, München oder gar Berlin ausverkauft sind? Richtig, er wechselt sein Investitionsfeld. Zuerst gerne in Oldtimern, aber bereits seit fast 10 Jahren wird Kapital in Kunst angelegt. 

Am Anfang noch auf Auktionen, natürlich durch anonyme Bieter oder professionelle Broker, aber dann tauchte das Problem der Lagerung, oder Überstellung in das Käuferland auf. So erwerben heute Anwälte im Auftrag Gemälde, sehr viele Gemälde. In einem sechs Stockwerke hohen Gebäude des Genfer Zollfreihafens dösen derzeit alleine 300 Werke von Picasso, ungezählte Bilder von Dega oder Monet vor sich hin, unbeachtet von der Welt, und diskret verwaltet von der Geneva Free Ports & Warehouses Ltd. Bis der Verkäufer mitbekommt, dass wieder ein Oligarch der neue Besitzer ist, und die Bezahlung von einem Konto auf den Cayman Islands kommt, ist das Bild längst in einem zollfreien Hochsicherheitsgebäude, überwiegend in Genf oder Zürich auf „nimmer wieder sehen“ verschwunden, denn der neue Eigentümer wollte nicht ein Gemälde erstehen, um es dann vielleicht einem Museum zu leihen, so wie es viele Kunstmäzene früher getan haben, sondern er wollte sein Geld gewinnbringend anlegen. Und die Renditen sind beachtlich! 

Die Rumschieberei in legal gemachten steuer- und zollbefreiten Inseln gebären daraus ehrliches Geld, und alle sind glücklich. Oder etwa nicht? Wenn Sie jetzt zu den beneidenswerten Menschen gehören, denen alte Farbenklecksereien auf muffelig riechenden Leinwänden egal sind, haben Sie kein Problem. Nur wenn dem nicht so ist, wird Ihnen vielleicht irgendwann mal auffallen, dass zwischen den Bildern im Museum viel Platz ist, aber Sie werden nicht ahnen, was Sie da verpasst haben, denn diese Lücken sind in Bergstollen und Betonfestungen verschwunden, und wechseln höchstens virtuell gegen Ablöse den Standort, aber sie erblicken nicht mehr das Licht der Welt, wo wir diese Gemälde betrachten könnten. 

Selbstverständlich tröste ich mich mit modernen Werken eines Walter E. Beck, oder einer Iris Caren von Württemberg vortrefflich, aber auch diesen Künstlern wird ein Stück Inspiration verloren gehen. 

Es grüßt Sie nachdenklich Ihr Arno von Rosen, Buchautor, gelegentlicher Zeichner, und Bewunderer schöner Künste – bleiben Sie aufmerksam und neugierig.

1 Kommentar:

  1. Bin ich froh, dass meine Werke nur für mich einen Wert besitzen.

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