Der Maler Walter E. Beck

 Walter E. Beck (privat)
Der Maler Walter E. Beck  ist dem Paradies auf der Spur. Er findet es in den gelb wogenden Rapsfeldern Schleswig Holsteins, in den kargen Landschaften der Sonneninsel Fuerteventura oder in seinem Garten an der Neustädter Bucht.

Überall entdeckt der 1948 in Thüringen geborene Freidenker das eigenwillig Schöne und das abstrakte Vollkommende in seiner Vielfalt. Den blumenduftigen Garten Eden oder die Kraft der Steine, des Wassers und des Feuers.

Ich bin Ästhet, sagt Beck, Harmonien sind mir wichtig. Ich mag die idealen paradiesischen Landschaften, ob wuchtig, üppig oder öd und karg. Berge, Meere, Wüsten, Wälder, Wiesen alles heilbringende Naturenergien.

Immer wieder sind es die einzigartigen Vulkanstrukturen und die endlos scheinenden Wüstenlandschaften der kanarischen Inseln, die den Künstler tief beeindrucken. Das wechselartige Sonnenlicht des Tages, eben braunschwarz und im nächsten Moment leuchtend rot, die Dünen satt gelb und voller spiritueller Energie.

Das Malen, eine innere Sichtweise voller Kraft, Schön- und Hässlichkeit, Spiritualität und Mystik. Hat das etwas mit der Sichtbarkeit der Allmacht zu tun?

Ja, sicherlich, ein Suchender bin ich, sagt Beck und setzt einen gekonnt markanten, roten Pinselschlag auf die große Leinwand. Malerei, eine metaphysische Festlegung und Erhöhung, eine Architektur über Wahrheit, Leben, Spiritualität und Zukunft.

Die erste wichtige Begegnung fand mit seinem Freund Jürgen Clausen in München statt. Gemeinsam besuchten sie den damaligen Fotografen und heutigen Maler Manfred Bockelmann am Starnberger See, die gemalten Bilder Bockelmanns hinterließen einen bleibenden Eindruck innerlicher Berührung.

Walter E. Beck gehört einer Künstlergeneration an, deren Leben und damit auch Schaffen von gravierenden politischen Einflüssen geprägt wurden. Die 68 er Bewegung formen bis heute sein Weltbild. Zogen die Studenten anfänglich für eine neue Weltordnung voller Enthusiasmus ins Feld oder gingen auf die Barrikaden, brachten sie, die bisher so nicht gekannte Kriegsführung auf der Welt zur Ernüchterung. Vietnam 64.

Man mischte sich unmittelbar ein, wurde propagandistisch aktiv und suchte zugleich mittels der Kunst nach überzeitlichen Werten, besann sich auf die Möglichkeit des Verweilens in metaphysischen Dimensionen. In dieser Zeit entstand eine gemeinsame Arbeit mit J. Clausen, das Drehbuch "Der süße Tod". Die Realisierung dieses Projektes konnte leider nicht erzielt werden.

Ein zugleich künstlerisch und philosophisch Suchender wie W. E. Beck kann - ganz im Geist der Romantik - als Mittler verstanden werden.

"In jedem vollendeten Kunstwerk fühlen wir durchaus unseren innigsten Zusammenhang mit dem Universum." Zitat Philipp Otto Runge. Unabhängig von theologischen Dogmen suchen Künstler wie Beck, das Geistige hinter der Materie, das Übernatürliche hinter dem Natürlichen.

Nach Kandinsky ist das "Ewig - Künstlerische, eine göttliche Sprache", welche durch Menschen, Völker und Zeiten geht und als Hauptelement keinen Raum und keine Zeit kennt.

Die formal unterschiedlichen Werksphasen drücken in vielschichtiger Weise aus, dass Beck das Geistige, nicht sichtbare in die sichtbare Realität zu integrieren versucht und dabei alle Möglichkeiten in Betracht zieht. Der Maler unterstreicht mit dieser Sichtweise seinen künstlerischen Willensausdruck und hat den Anspruch, die metaphysischen Dimensionen in seiner Art zu vergegenwärtigen.

Jenseits theologischer Dogmen sucht Beck das Verhältnis von Geist und Materie zu ergründen, wobei die Kunst, die Sichtbarmachung des Unmöglichen möglich macht. Was in der Sprache so nicht auszusprechen ist, malt er, in seiner ihm eigenen Art. Seit Jahrzenten beschäftigt sich der Künstler mit dem christlichen Mysterium und der Weisheitslehre des Zen - Buddhismus. Beck schließt sich den Epochen des magischen Realismus an, dabei ist die radikalste Form der Gegenwart nur recht. Es ist die globale Schnelligkeit und die gesuchte Intensität dieser Zeit, die heutige Strukturen hervorbringt. Beck sieht in der Wiederspiegelung des Lebens und deren Strukturen die Aufgabe der Kunst. Umso einfacher ist der Weg, nach spiritueller und metaphysischer Denkweise zu verstehen.

Die Darstellungen der sichtbaren Welt verweisen auch immer auf das Wirken einer Allmacht und lässt ein "Sein", jenseits der Dinge erfahrbar werden. In einer Zeit geistiger und gesellschaftlicher Umbrüche befragen sich die Kreativen aus eigenem Sendungsbewusstsein heraus, die Vergangenheit nach Idealen und deren künstlerischer Umsetzung für die Gegenwart zu entwickeln. Die heutigen modernen Kunstrichtungen sind immer auch die Geistesgeschichte unserer Zeit.

Beck versucht das Innerlich - Wesentliche in seinen Bildern zu manifestieren,  wobei der Verzicht auf äußerliche Genauigkeit von selbst entsteht. Er will nicht malen, was er vor sich sieht, sondern das, was als Geheimnis dahinter steht und so empfängt er Botschaften aus den Regionen der kosmischen Geistigkeit, die ihn drängen, das Bild entstehen zu lassen. Künstler erreichen durch die Vorgehensweise wie die "ecriture automatique" den passivsten oder rezeptivsten Zustand, dessen man fähig sein kann, einen geistigen Standort, von dem aus Leben und Tod, Reales und Imaginäres, Vergangenes und Zukünftiges, Mittelbares und Nicht - Mittelbares, Oben und Unten nicht mehr als widersprüchlich empfunden werden. Ein neues Bewusstsein, das in der surrealistischen Kunst nachempfunden wurde. Doch den Surrealisten geht es um die Befreiung des Unterbewussten, Künstlern wie Beck hingegen um die Wahrung des Spirituellen und um die Einbeziehung des nicht Sichtbaren in die Realität.

Ohne Wunder sei die Realität sehr ungenau wahrgenommen, so der Maler. Aus dieser Sichtweise ist der Weg zur gegenstandslosen abstrakten Kunst nur folgerichtig und drückt eine idealistische Weltsicht aus. Erst der Verzicht auf den Oberflächenreiz führe zur Wahrnehmung des inneren Klanges der Dinge, gäbe den Blick frei für die innere Natur, der Buddha Natur oder auch Jesusnatur.

Ein solches Kunstschaffen öffnet das "geistige Auge", wie sie sich als Aspekt Zen - buddhistischer Meditation und ihrem Ziel der - Selbst - Wesens - Innenschau finden lassen. Es ist die unerwartete geistige Nähe zwischen christlicher Mystik und japanischer Zen - Philosophie, die Beck so fasziniert.

Der japanische Philosoph Daisetz T. Suzuki spricht im Zusammenhang mit der als Meditationsübung verstandenen Teezeremonie vom "Geist der Armut", einem Geisteszustand, in dem alle Formen der Dualität aufgehoben sind. Er beschreibt diesen Zustand sowohl aus der östlichen als auch aus der westlichen Perspektive und veranschaulicht so die unerwarteten Übereinstimmungen zweier vermeintlich wesensfremder Weltsichten.

Es geht um die Suche nach geistigen Universalien, um die spirituelle "Leere", ein - Sein- jenseits von konkreten Vorstellungen, Vernunft oder Moral, unabhängig von Zeit und Raum, sprachlich nicht fassbar, visuell vorstellbar. Diese Unsagbare lässt Beck ausschnitthaft sichtbar und erfahrbar werden und somit werden einige seiner Bilder und seiner Kunst zum Medium von Geistigkeit. Von der "Zen - Malerei " lernte Beck mit dem - geistigen Pinsel - zu malen. Auf dem weißen Papier, dem leeren Grund, nur sparsam mit Tusche anzudeuten, stellt ein Ideal der Zen - Ästhetik dar, das bis zur "weißen Malerei" führt, jenem leer gelassenen Papieren auf denen lediglich am oberen Rand ein Vers, ein Koan, das Bild interpretiert, welches darunter zu sehen sein soll.

Die Malerei des Zen beschränkt sich häufig auf die Farben Schwarz und Weiß, beziehungsweise auf Monochromes als Darstellungsform der vollkommenen Abwesenheit von Farbe. Diese Abwesenheit der Farbe wird durch das Weglassen der Farbe hervorgerufen, dennoch bleibt eine minimierte vage Erinnerung an die Farbe, die weggelassen wurde. In diesem Sinne ist die Abwesenheit ihre negative Anwesenheit. Ihr Äußeres Nichtvorhandensein kann dadurch einen positiven ästhetischen Wert als innere Anwesenheit der Farbe annehmen.

Somit befindet sich in der ästhetischen Wertschätzung der Farblosigkeit oder des Schwarz Weiß eine grundlegende Paradoxie. Gerade aber diese Paradoxie öffnet den Geist und ist somit die erstaunliche Erklärung der fühlbaren Phänomene.

Die Farblosigkeit negiert nicht die Empfindsamkeit für Farbenpracht, sondern steht für Vollendung des ästhetischen Wertes aller Farben. So kann Farbe kaum noch als emotionaler Ausdrucksträger fungieren und der meist energische Duktus des Pinselstriches oder Schlages lässt keine sentimentale Deutung zu. Die sich im Akt des Malers objektivierende Subjektivität des Künstlers befreit sich von Empfindungen wie Trauer oder Freude. Diese bedingungslose Reduktion der Mittel verhindert folgerichtig auch die Subjektivierung von Zen - Kunst.

So wie die Farbe muss sich auch in der Zen - Malerei das Selbst des Künstlers auflösen. Der zentrale Begriff des Zen, die Leere, wird sichtbar als leerer weißer Grund des Bildes, der zugleich identisch ist mit dem leeren Grund des Seins. Begriffe wie Leere und Nichts sind keine negativen Reduktionen; so bedeutet Nirwana "subjektives Nichts" also ein qualifiziertes Nichts, das nicht die totale Vernichtung allen Bewusstseins meint.

Diese gedankliche Radikalität eröffnet Becks Schaffenskraft eine grenzenlose Freiheit und völlig neue geistige Dimensionen. Er nutzt die gewonnene geistige und damit künstlerische Freiheit, bereichert die westliche Kunst um die hier referierten Errungenschaften asiatischer Ästhetik und schafft eindrucksvolle Arbeiten.

Die Zurückführung alles Seienden auf zwei kosmische Kräfte, Yin und Yan, bestätigt den Maler in seiner dualistischen Weltsicht und ist ein durchgängiges Thema seiner Bilder. Zen Idealen wie Altruismus oder der beseelten Natur gibt er eine sichtbare Form. Das Intuitive beherrscht sein künstlerisches Schaffen, ein entschiedener Schritt zur Selbstfindung ist damit vollzogen.

Beck geht es darum, etwas allgemein Nützliches für die global zusammengerückten Lebensstrukturen zu erreichen. Eine Weltsicht für die Gesamtheit, ohne das Mittel der schrecklichen Ausbeutungen aller Art zu gebrauchen. Den unbedingten Respekt für die Tier- und Pflanzenwelt sowie der unbedingte Wille zur Erhaltung dieses Planeten Erde. Die Achtung der menschlichen Seele und deren Empfindungen sowie die Abwesenheit der Kriege, der Gier, des Hasses und der Überschätzung des Menschen zu erreichen. Die immer wieder auftretenden Machtgedanken einzelner Gruppen zu stoppen, um die Totalvernichtung unserer Erde aufzuhalten.

Seine künstlerische, didaktische Ausbildung erhielt der intellektuelle Künstler durch eigene Studienreisen und von dem spanischem Architekten und Maler Carlos Calderon Yruegas in der Villa Tabeiba auf Fuerteventura. 

Dort erfolgte auch 1984 die erste erfolgreiche Ausstellung im Hotel Tres Islas. Ein weiterer wichtiger künstlerischer Freund und malerischer Mentor ist der in Fritzlar lebende Kunstprofessor Dr. Wolfgang Kleinschmidt, diese Freundschaft wird bis heute belebt.

1988 entstand die eigene Galerie in der Nähe von Hamburg. Der Maler blickt auf Ausstellungen im Inn- und Ausland zurück. Seit 1990 ist er Mitglied der Norddeutschen Künstlergilde und gehört bis heute zu dem Freundeskreis von Schloss Gottorf in Schleswig.

(Verfasser will nicht genannt werden)

http://www.artflakes.com/de/shop/walter-e-beck
http://interviews-mit-autoren.blogspot.de/2014/03/helga-konig-im-gesprach-mit-dem_10.html

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